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🎤Die letzte Hürde · Geprüfter Wirtschaftsfachwirt (IHK)

Mündliche Prüfung Wirtschaftsfachwirt: Präsentation und Fachgespräch

30 Minuten Vorbereitung, 30 Minuten Prüfung — und ein Viertel deiner Gesamtnote.

Du bekommst die Aufgabe erst am Prüfungstag. Eine halbe Stunde später stehst du vor dem Prüfungsausschuss und stellst deine Lösung vor, als wärst du bei der Geschäftsführung. Das klingt nach Glückssache — ist es aber nicht. Das Format ist immer dasselbe, die Themen kreisen um dieselben sechs Bausteine, die Bewertungskriterien sind bekannt. Dieser Beitrag zeigt dir beides: was die Prüfungsordnung wirklich vorschreibt und was am Prüfungstag tatsächlich passiert — mit echten Aufgabenstellungen, einem Minutenplan für die Vorbereitungszeit und einem Punkterechner.

Kurz gesagt: Die mündliche Prüfung zum Wirtschaftsfachwirt heißt offiziell situationsbezogenes Fachgespräch mit Präsentation. Du erhältst am Prüfungstag eine betriebliche Aufgabenstellung, hast höchstens 30 Minuten Vorbereitungszeit und stellst deine Lösung anschließend dem Prüfungsausschuss vor. Danach folgen dessen Fragen. Die gesamte Prüfung soll nicht länger als 30 Minuten dauern; die meisten Kammern rechnen mit rund 10 Minuten Vortrag und rund 20 Minuten Gespräch. Bewertet wird beides getrennt und dann zu einer Punktzahl verrechnet — das Fachgespräch mit zwei Dritteln, die Präsentation mit einem Drittel. Bestanden hast du ab 50 Punkten auf diesen gemeinsamen Wert.

  • ✓Du kannst dein Thema nicht vorher wählen. Beim Wirtschaftsfachwirt gibt es keine Themenvorschläge und keine zu Hause vorbereitete Präsentation — das ist bei anderen Fachwirten so, hier nicht. Du übst kein Thema, du übst ein Verfahren.
  • ✓Der Schwerpunkt liegt auf Führung und Zusammenarbeit, gefragt werden darf aber aus allen neun Qualifikations- und Handlungsbereichen beider Prüfungsteile.
  • ✓Eine schwache Präsentation ist heilbar. Die 50-Punkte-Grenze gilt für den gemeinsamen Wert, nicht für jeden Teil einzeln — und das Gespräch wiegt doppelt so schwer.
  • ✓Eine mündliche Ergänzungsprüfung gibt es hier nicht. Die ist allein für die Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen vorgesehen. Wer unter 50 Punkten bleibt, wiederholt die Prüfungsleistung.
Abschnitt 1

Mündliche Prüfung Wirtschaftsfachwirt: Was die Prüfungsordnung wirklich vorschreibt

Über kaum eine Prüfung kursieren so viele widersprüchliche Angaben. Der Grund ist simpel: Die Verordnung regelt nur wenige Punkte — den ganzen Rest legt jede IHK selbst fest.

Die mündliche Prüfung heißt offiziell situationsbezogenes Fachgespräch mit Präsentation. Sie ist kein eigener dritter Prüfungsteil, sondern die zweite Prüfungsform innerhalb der Teilprüfung Handlungsspezifische Qualifikationen. Deshalb findest du in der Verordnung auch keinen Paragraphen, der „Mündliche Prüfung“ überschrieben wäre — das Ganze steckt in § 3, in den Absätzen 5 und 6.

Diese beiden Absätze sind kurz genug, um sie einmal vollständig zu lesen. Es lohnt sich, denn fast jede Streitfrage über diese Prüfung lässt sich daran entscheiden.

📜

§ 3 Absatz 6 WFachwPrV im Wortlaut

„Das situationsbezogene Fachgespräch mit Präsentation nach Absatz 5 wird inhaltlich aufbauend auf die Aufgabenstellung nach § 5 durchgeführt und soll nicht länger als 30 Minuten dauern. Es soll sich inhaltlich auf die Qualifikations- und Handlungsbereiche nach den Absätzen 2 und 3 beziehen, der Schwerpunkt soll auf Absatz 3 Nr. 5 liegen. Es ist eine Vorbereitungszeit von höchstens 30 Minuten zu gewähren. Die Präsentation geht mit einem Drittel in die Bewertung der mündlichen Prüfung ein. Die mündliche Prüfung wird erst nach dem erfolgreichen Abschluss der schriftlichen Teilprüfungen nach den Absätzen 4 und 5 durchgeführt.“

Quelle: Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Wirtschaftsfachwirt/Geprüfte Wirtschaftsfachwirtin, § 3 Abs. 6. „Absatz 3 Nr. 5“ ist der Handlungsbereich Führung und Zusammenarbeit.

Fünf Sätze, fünf Festlegungen. Alles, was du sonst noch über diese Prüfung hörst — zehn Minuten Vortrag, Flipchart statt Beamer, welche Gesetzestexte du mitnehmen darfst, wie viele Prüfer dir gegenübersitzen —, steht dort nicht. Es steht in den Merkblättern der einzelnen Kammern, die voneinander abweichen.

Der strukturelle Grund dafür ist bemerkenswert: Die bundeseinheitliche Hilfsmittelliste des DIHK führt für den Geprüften Wirtschaftsfachwirt zwar jeden schriftlichen Prüfungsbereich einzeln auf — das situationsbezogene Fachgespräch fehlt darin schlicht. Wo die bundesweite Vorgabe endet, füllt jede Kammer die Lücke selbst. Genau deshalb bekommst du auf die Frage „Darf ich meine Gesetzessammlung mitnehmen?“ je nach IHK eine andere Antwort.

Die folgende Tabelle trennt die drei Ebenen, die in Ratgebern und Foren ständig vermischt werden. Verlass dich bei allem, was in der rechten Spalte steht, auf das Merkblatt deiner eigenen IHK — nicht auf einen Beitrag im Netz, auch nicht auf diesen.

Frage Verordnung (bundesweit verbindlich) IHK-Praxis (kammerabhängig)
Wann bekomme ich das Thema? Nicht geregelt. Die Aufgabe baut „inhaltlich aufbauend auf die Aufgabenstellung nach § 5“ auf. Einheitlich: erst am Prüfungstag, zu Beginn der Vorbereitungszeit. Kein Thema vorab, keine Einreichung. Manche Kammern lassen dich zwischen zwei Handlungsaufträgen wählen.
Wie lange ist die Vorbereitungszeit? Geregelt: „höchstens 30 Minuten“ — und sie ist zu gewähren. Durchgängig 30 Minuten, unter Aufsicht, in einem eigenen Vorbereitungsraum.
Wie lange dauert die Prüfung? Geregelt: „soll nicht länger als 30 Minuten dauern“ — für Präsentation und Fachgespräch zusammen. Meist rund 10 Minuten Präsentation und rund 20 Minuten Fachgespräch. Einzelne Kammern teilen 15 zu 15 auf oder nennen 10 bis 15 Minuten für den Vortrag.
Worum geht es inhaltlich? Geregelt: alle Qualifikations- und Handlungsbereiche beider Teilprüfungen, Schwerpunkt „Führung und Zusammenarbeit“. In der Praxis stammt die Aufgabe fast immer aus Führung und Zusammenarbeit. Das Fachgespräch springt danach regelmäßig in andere Bereiche.
Welche Medien darf ich nutzen? Nicht geregelt. Flipchart praktisch überall, meist zusätzlich Pinnwand, Moderationskarten, Whiteboard, Visualizer. Beamer und Laptop sind die seltene Ausnahme. Vorbereitete Präsentationsmittel sind vielerorts ausdrücklich untersagt.
Welche Hilfsmittel sind erlaubt? Nicht geregelt — die DIHK-Hilfsmittelliste führt das Fachgespräch nicht auf. Hier gehen die Kammern am weitesten auseinander: Eine erlaubt alle Gesetzestexte, die auch in den Situationsaufgaben zugelassen waren. Andere lassen außer Schreibzeug gar nichts zu. Unbedingt im eigenen Merkblatt nachlesen.
Wie wird gewichtet? Geregelt: Fachgespräch zwei Drittel, Präsentation ein Drittel (§ 7 Abs. 3). Die mündliche Prüfung zählt 25 % der Gesamtnote (§ 8 Abs. 4). Wird von den Kammern so übernommen. Die Einzelkriterien dahinter legt der Prüfungsausschuss fest.
Wann findet die Prüfung statt? Geregelt: erst nach erfolgreichem Abschluss der schriftlichen Teilprüfungen. Meist zwei bis drei Monate nach der schriftlichen HQ-Prüfung; an einzelnen Standorten dauert es länger. Grund ist die Korrekturzeit von acht bis zehn Wochen.
Gibt es eine Ergänzungsprüfung? Geregelt: nein. § 4 Abs. 6 sieht sie ausschließlich für die Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen vor. Die Kammern bestätigen das ausdrücklich. Bleibt es unter 50 Punkten, hilft nur die Wiederholung.

Die Angaben in der rechten Spalte fassen die Merkblätter mehrerer Industrie- und Handelskammern zusammen (unter anderem Kassel-Marburg, Oberfranken Bayreuth, Würzburg-Schweinfurt, Nord Westfalen, Hochrhein-Bodensee, Nürnberg, Berlin, Köln). Sie sind ein Praxisbild, keine Rechtsauskunft — für dich gilt das Merkblatt deiner eigenen IHK.

Die Verwechslung, die die halbe Vorbereitung ruiniert

Suchst du im Netz nach „Präsentationsthemen Fachwirt“, landest du fast sicher bei einem anderen Prüfungsformat. Beim Industriefachwirt etwa musst du dein Thema selbst wählen und am ersten schriftlichen Prüfungstag einreichen; wer das versäumt, gilt als zurückgetreten. Beim Personalfachkaufmann reichst du zwei Themenvorschläge ein, aus denen der Prüfungsausschuss vierzehn Tage vor der Prüfung das Thema festlegt. Beim Handelsfachwirt wählst du das Thema ebenfalls selbst und reichst es am Tag der zweiten schriftlichen Teilprüfung ein.

Beim Wirtschaftsfachwirt gibt es nichts davon. Du erhältst am Prüfungstag einen Handlungsauftrag, hast eine halbe Stunde und arbeitest mit dem, was im Raum steht. Alles, was du über Beamer-Technik, Handouts für den Ausschuss oder Einreichungsfristen liest, gehört zu einer anderen Prüfung.

Diese Unterscheidung dreht die gesamte Vorbereitungsstrategie um. Du kannst kein Thema perfektionieren. Was du trainieren kannst, ist das Verfahren: eine Aufgabenstellung in fünf Minuten zerlegen, in zwölf Minuten eine tragfähige Lösung entwickeln, in zehn Minuten drei Flipchart-Blätter schreiben. Wer das zehnmal geübt hat, ist am Prüfungstag ruhig — unabhängig davon, welche Aufgabe kommt.

🧭
Der Rollenrahmen, der alles erklärt: Mehrere IHKs beschreiben die Prüfung wörtlich als Rollenspiel, „bei dem vom Prüfungsteilnehmer auf der Grundlage einer betrieblichen Aufgabenstellung eine erarbeitete Lösung der Geschäftsführung (= die Mitglieder des Prüfungsausschusses) vorgestellt wird“. Daraus folgt fast alles Weitere: Du sprichst zu Entscheidern, also kurz, strukturiert und mit einer klaren Empfehlung. Du bist in den Aufgaben fast nie selbst Geschäftsführung, sondern Assistenz, Personalreferent oder frisch beförderte Führungskraft — du schlägst vor, du verkündest nicht.
Abschnitt 2

Ablauf der mündlichen Prüfung: der Prüfungstag Schritt für Schritt

Vorbereitung und Prüfung dauern zusammen rund eine Stunde; mit Ankunft, Aufbau und Beratung solltest du eher mit anderthalb rechnen. Wer weiß, was in welcher Minute passiert, verliert am Prüfungstag deutlich weniger Energie an das Ungewisse.

ca. −15 Min.Ankunft
🚪

Ankommen und Identität nachweisen

Sei etwa 15 Minuten vor deinem Termin da. Einladung und Personalausweis gehören griffbereit in die Hand, die Aufsicht prüft beides und dokumentiert es. Du wirst einzeln geprüft, die Termine laufen im engen Takt.

Handy und Smartwatch schaltest du komplett aus — stummschalten reicht ausdrücklich nicht; mehrere Kammern werten Verstöße als Täuschungsversuch. Die Geräte kommen in die Tasche, nicht an den Körper.

⚠️
Kalkuliere Parkplatzsuche und Verspätungen großzügig ein. Bei Einzelprüfungen im Minutentakt lässt sich ein verspäteter Start organisatorisch oft nicht auffangen.
0:00Aufgabe
📄

Du bekommst deinen Handlungsauftrag

Der Prüfungsausschuss gibt dir die Aufgabenstellung zu Beginn der Vorbereitungszeit schriftlich aus. Sie besteht aus einer betrieblichen Ausgangssituation, einer Rollenzuweisung („Sie sind Assistentin der Geschäftsführung …“) und zwei bis vier nummerierten Teilaufträgen.

Bei manchen Kammern wählst du aus zwei Handlungsaufträgen einen aus. Diese Entscheidung fällt in den ersten Minuten und ist endgültig — überlege kurz, aber nicht zu lange.

💡
Frag vorher bei deiner IHK nach, ob es eine Wahlmöglichkeit gibt. Wer damit rechnet, entscheidet ruhiger als wer überrascht wird.
0:00 – 0:30Vorbereitung
✍️

30 Minuten Vorbereitungszeit unter Aufsicht

Du sitzt in einem eigenen Vorbereitungsraum, nicht allein: Die Vorbereitung findet unter Aufsicht statt. Auf dem Tisch liegen je nach Kammer Papier, Moderationskarten und Stifte; ein Flipchart steht meist bereit.

In diesen 30 Minuten löst du die Aufgabe und erstellst deine Präsentationsmittel. Beides zusammen — deshalb ist die Zeiteinteilung hier so entscheidend, dass ihr Abschnitt 3 komplett gewidmet ist.

📌
Was du mitbringen darfst, ist Kammersache. Eine IHK erlaubt alle Gesetzestexte aus den Situationsaufgaben, andere lassen außer Schreibzeug nichts zu. Vorbereitete Präsentationsmittel von zu Hause sind praktisch überall verboten.
ca. 0:30Aufbau
📌

Abholung und Aufbau — die vergessene Phase

Du wirst abgeholt und baust deine Präsentation im Prüfungsraum auf. Eine Kammer weist dafür etwa fünf Minuten aus, die noch nicht zur Prüfungszeit zählen. Ob und wie viel Aufbauzeit bei dir vorgesehen ist, steht in deinem Merkblatt.

Nutze sie bewusst: Flipchart so stellen, dass du es nicht verdeckst, das erste Blatt sichtbar, die folgenden umgeschlagen. Prüf kurz, ob alle im Raum auf deine Blätter sehen können.

0:00 – 0:10Präsentation
🎤

Begrüßung, Vorstellung, Vortrag

Der vorsitzende Prüfer begrüßt dich und bittet dich, zu beginnen. Mehrere Kammern sehen eine kurze persönliche Vorstellung von höchstens zwei Minuten vor, danach folgt dein Vortrag; bei den meisten soll er rund zehn Minuten dauern. Kläre vorab, ob diese Vorstellung zur Präsentationszeit zählt — auch das wird unterschiedlich gehandhabt.

Eine Formulierung aus einem IHK-Merkblatt lohnt das Merken: Die Aufgabenstellung wird präsentiert, nicht vorgelesen. Du fasst die Ausgangssituation in zwei bis drei eigenen Sätzen zusammen und steigst dann in deine Lösung ein.

⏱️
Zeitüberschreitung ist einer der wenigen Punkte, an denen ein Ausschuss abbricht. Schreib dir während der Vorbereitung kleine Zeitmarken an den unteren Rand jedes Blattes — beim Umblättern siehst du in einer halben Sekunde, ob du im Plan liegst.
0:10 – 0:30Fachgespräch
💬

Das Fachgespräch — hier fällt die Note

Dein Schlusssatz eröffnet den Dialog. Der Ausschuss knüpft zuerst an deine Präsentation an, fragt Begriffe nach, hinterfragt deine Empfehlung — und weitet das Gespräch danach aus.

Rechne mit drei bis fünf Prüferinnen und Prüfern; gesetzlich sind es mindestens drei. Häufig fragen nur ein oder zwei aktiv, die übrigen hören zu und notieren. Dass jemand schweigt, ist kein schlechtes Zeichen.

🎯
Zwei Drittel deiner Note entstehen in diesen 20 Minuten. Wie du Antworten aufbaust und das Gespräch mitsteuerst, steht in Abschnitt 6.
ca. +5 Min.Beratung
🚶

Du verlässt den Raum, der Ausschuss berät

Das ist keine Dramaturgie, sondern Vorschrift: An der Beratung über das Prüfungsergebnis dürfen ausschließlich die Mitglieder des Prüfungsausschusses beteiligt sein. Du wartest ein paar Minuten im Nebenraum.

Gleichzeitig gibst du deine Unterlagen ab — Flipchart-Blätter, Moderationskarten und den Handlungsauftrag. Sie werden archiviert.

ca. +10 Min.Ergebnis
✅

Bestanden oder nicht bestanden — noch am selben Tag

Du wirst zurück in den Prüfungsraum gerufen. Der Ausschuss teilt dir mit, ob du bestanden hast. Ob dir dabei auch schon Punkte oder Noten genannt werden, hängt vom Verfahren deiner Kammer ab — manche nennen nur „bestanden“, andere geben ein vorläufiges Ergebnis bekannt. Verbindlich ist in jedem Fall erst der schriftliche Bescheid der IHK. Telefonische Auskünfte zu Ergebnissen schließen viele Kammern aus.

Ein ausführliches Feedbackgespräch ist nirgends garantiert. Manche Ausschüsse nehmen sich ein paar Minuten dafür, andere nicht. Das Prüfungszeugnis kommt anschließend per Post, häufig nach etwa drei Wochen.

Die Zeitangaben folgen dem detailliertesten öffentlich verfügbaren Ablaufplan einer IHK (Stand Juni 2023), der die Gesamtdauer aus Vorbereitung und Prüfung mit „ca. 60 Minuten“ angibt, sowie den Merkblättern mehrerer weiterer Kammern. Plane trotzdem deutlich mehr Zeit ein: Ankunft, Aufbau, Beratung und Ergebnismitteilung kommen obendrauf, eine Kammer kalkuliert allein zehn Minuten Nachbesprechung. Nur die beiden 30-Minuten-Grenzen stehen in der Verordnung — alles andere kann bei deiner IHK abweichen.

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Abschnitt 3

Die 30 Minuten Vorbereitungszeit: ein Minutenplan, der funktioniert

In einer halben Stunde musst du eine betriebliche Aufgabe lösen und deine Präsentation bauen. Wer erst nach zwanzig Minuten zum Stift greift, hat entweder unleserliche oder unfertige Blätter.

Die häufigste Falle in dieser halben Stunde ist nicht Zeitmangel, sondern Reihenfolge. Viele fangen sofort an zu schreiben, merken nach zehn Minuten, dass die Gliederung nicht trägt. Dann beginnen sie von vorn. Deshalb lohnt ein fester Ablauf, den du vorher so oft übst, dass er unter Druck von allein läuft.

Der folgende Plan ist unsere Empfehlung, keine Vorgabe — weder die Verordnung noch ein IHK-Merkblatt schreibt eine Aufteilung vor. Die harte Grenze darin ist Minute 17: Ab da wird nur noch geschrieben, nicht mehr gedacht.

30 Minuten Vorbereitungszeit — so teilst du sie ein

Die Balkenbreite entspricht dem Zeitanteil. Denkarbeit vorn, Handarbeit hinten.

0 – 5
Aufgabe lesen und zerlegen

Zweimal lesen. Beim zweiten Mal markierst du drei Dinge: deine Rolle, jeden einzelnen Teilauftrag mit der geforderten Anzahl und alle Zahlen und Rahmenbedingungen aus der Ausgangslage. Steht dort ein Satz wie „Das Unternehmen hat einen Betriebsrat“, ist das kein Beiwerk, sondern ein versteckter Teilauftrag.

5 – 12
Lösung sammeln, ungefiltert

Alles auf ein Schmierblatt, was dir zur Aufgabe einfällt: Modelle, Maßnahmen, Argumente, Beispiele. Noch nicht sortieren, noch nicht bewerten. Wer hier schon aussiebt, produziert eine dünne Präsentation.

12 – 17
Gliederung festlegen und streichen

Jetzt wählst du drei bis höchstens fünf Blöcke und bringst sie in eine Reihenfolge, die den Teilaufträgen der Aufgabe folgt. Alles Übrige streichst du bewusst — und merkst es dir als Reserve fürs Fachgespräch. Prüf zum Schluss: Folgt meine Empfehlung wirklich aus dem, was davor steht?

17 – 26
Flipchart schreiben

Der zeitfressende Teil. Große Buchstaben brauchen real zwei bis drei Minuten pro Blatt, mehr als drei bis vier Blätter schaffst du hier nicht sauber. Auf die Blätter kommen Stichworte, keine Sätze — den Text sprichst du.

26 – 30
Einstieg, Schluss und Zeitmarken

Stichwortkarten schreiben, an den unteren Blattrand kleine Zeitmarken notieren („bei 2:00“, „bei 4:30“) und den ersten sowie den letzten Satz einmal still durchgehen. Genau diese beiden Sätze liegen in den zwei Nervositätsspitzen — sie sind das Einzige, was du wörtlich parat haben solltest.

Warum die harte Grenze bei Minute 17 steht: Schreiben lässt sich nicht beschleunigen. Denken schon. Wer merkt, dass er bei Minute 17 noch keine Gliederung hat, nimmt die naheliegendste Struktur und füllt sie — eine solide Präsentation mit drei fertigen Blättern schlägt jede brillante Idee auf halbfertigem Papier.

Flipchart, Pinnwand oder Beamer — was du in der Prüfung wirklich nutzt

Ein Flipchart steht praktisch in jedem Prüfungsraum. Es braucht keine Technik, keinen Aufbau und funktioniert immer. Dazu kommt ein Nebeneffekt, den viele unterschätzen: Es gibt dir einen legitimen Ort für den Blick und etwas, woran du dich festhalten kannst. Nicht ohne Grund ist es die Standardempfehlung.

Die Pinnwand ist die flexiblere Variante. Moderationskarten schreibst du in der Vorbereitungszeit und hängst sie während des Vortrags um — ideal, wenn du etwas priorisieren, zuordnen oder gegenüberstellen willst. Der Preis dafür ist Aufbauzeit und die Gefahr, mit dem Rücken zum Ausschuss zu hantieren.

Ein Beamer ist beim Wirtschaftsfachwirt faktisch keine Option. Er taucht in den meisten Merkblättern gar nicht auf. Das ist logisch: Du bekommst die Aufgabe erst 30 Minuten vorher, eine Foliendatei entsteht in dieser Zeit nicht. Wo Merkblätter Beamer-Regeln enthalten, gehören sie fast immer zu Prüfungen mit selbst gewähltem, vorab eingereichtem Thema.

Verbreitet ist der Rat, zwei Medien einzusetzen — etwa Gliederung aufs Flipchart, ein Schaubild an Whiteboard oder Pinnwand. Das ist ein guter Standard, aber keine Pflicht: Ein IHK-Merkblatt hält ausdrücklich fest, dass ein Medienwechsel nicht zwingend notwendig ist. Entscheide danach, ob das zweite Medium etwas zeigt, was auf dem Flipchart schlechter aufgehoben wäre.

So sieht ein gutes Flipchart aus

Für zehn Minuten brauchst du in der Regel vier bis sechs Blätter. Hier sind drei davon beispielhaft nachgebaut — Deckblatt, ein Inhaltsblatt und das Schlussblatt — an einer typischen Aufgabe: Ein Betrieb wird seit der Gründung streng autoritär geführt, Krankenstand und Fluktuation steigen seit zwei Jahren.

Blatt 1 · Agenda

Führung neu ausrichten

Nordtec GmbH · 240 Beschäftigte

  • Ausgangslage & Ziel
  • Drei Führungsstile im Vergleich
  • Wovon die Wahl abhängt
  • Empfehlung & Einführung
  • Fazit
Blatt 3 · Inhalt

Drei Stile im Vergleich

je 2 Vorteile · 2 Nachteile

  • Autoritär
    + schnelle Entscheidung, klare Verantwortung
    − Demotivation, Wissen bleibt oben
  • Kooperativ
    + Motivation, Ideen aus dem Team
    − langsamer, hoher Abstimmungsaufwand
  • Laissez-faire
    + Freiraum, Eigenverantwortung
    − fehlende Orientierung, Konflikte
Blatt 6 · Schluss

Empfehlung

und wie wir sie einführen

  • Situativ führen auf kooperativer Basis
  • 1. Führungskräfte schulen (2 Tage)
  • 2. Zielvereinbarungen einführen
  • 3. Nach 6 Monaten Befragung
  • Betriebsrat: § 87 BetrVG beachten
Risiko: Rückfall unter Druck → begleitendes Coaching

Jedes Blatt trägt eine eigene Überschrift und wenige Stichpunkte — der gesprochene Text steht nirgends, er gehört in deinen Kopf. Die Blätter dazwischen füllen die übrigen Agendapunkte: Ausgangslage und Ziel, die Auswahlkriterien, die Einführung.

✏️

Schrift und Menge

Druckbuchstaben, drei bis vier Zentimeter hoch, Groß- und Kleinschreibung im Wechsel — durchgehende Großbuchstaben lesen sich schlechter. Pro Blatt wenige Stichpunkte statt ganzer Sätze, drei bis fünf pro Blatt. Der Maßstab ist Lesbarkeit aus der letzten Reihe, nicht eine feste Wortzahl. Ränder freilassen, das wirkt aufgeräumt.

🎨

Farben mit fester Bedeutung

Zwei bis drei Farben, mehr nicht. Dunkel für Text, Rot ausschließlich für die eine Hervorhebung, optional eine dritte Farbe für Rahmen und Pfeile. Wer Rot einmal für eine Überschrift und einmal für ein Risiko nutzt, macht sein eigenes Signal wertlos.

🙋

Haltung am Blatt

Seitlich stehen, nie das Blatt verdecken, nie mit dem Rücken zum Ausschuss. Mit der dem Chart zugewandten Hand zeigen, Körper offen halten. Den Stift nach dem Schreiben weglegen — in der Hand wird er zum Nervositätsanzeiger.

🚫
Was nicht auf ein Blatt gehört: ganze Sätze, dein Sprechtext, Listen mit mehr als fünf Punkten, komplexe Rechnungen, Datum und Firmenlogo, Dekoration ohne Aussage. Der teuerste Fehler ist der, der daraus folgt — vom eigenen Chart ablesen. Freies Sprechen ist in praktisch jedem Bewertungsraster ein eigenes Kriterium.
Abschnitt 4

Die Präsentation aufbauen: drei Gliederungen für die Wirtschaftsfachwirt-Prüfung

Eine gute Gliederung entsteht nicht am Prüfungstag. Sie ist ein Gerüst, das du vorher auswendig kannst und in der Vorbereitungszeit nur noch füllst.

Der äußere Rahmen ist bei fast allen Kammern gleich und in einem Merkblatt sogar ausbuchstabiert: Begrüßung, kurze persönliche Vorstellung von höchstens zwei Minuten, Vorstellung der Aufgabenstellung — ausdrücklich ohne Vorlesen —, Thema und Ziel, Lösungen, Zusammenfassung und Fazit.

Innerhalb dieses Rahmens hast du die Wahl. Drei Gliederungen haben sich bewährt; sie passen zu unterschiedlichen Aufgabentypen. Klick dich durch und schau, welche zu deiner Art zu denken passt — trainieren solltest du am Ende eine davon so weit, dass sie ohne Nachdenken steht.

Der Fall, an dem wir alle drei durchspielen: Die Nordtec GmbH mit 240 Beschäftigten wird seit der Gründung streng autoritär geführt. Krankenstand und Fluktuation steigen seit zwei Jahren, die Fluktuationsquote liegt bei 14 %. Du bist Assistenz der Geschäftsführung. Verlangt sind: drei Führungsstile gegenüberstellen, erläutern wovon die Wahl abhängt, einen Stil empfehlen und den Wechsel einführen. Das Unternehmen hat einen Betriebsrat.

So sähe deine Gliederung am Flipchart aus

Zur Einordnung: Die Zeitangaben in Klammern sind eine Empfehlung von uns für einen zehnminütigen Vortrag, keine Vorgabe der Verordnung oder einer IHK. Achte vor allem auf eines: Die Gliederung folgt der Aufgabe, nicht umgekehrt. Ein vertrautes Schema, das die verlangten Teilaufträge verdrängt, ist genau die Themaverfehlung, vor der wir weiter unten warnen. Ursachen, die im Sachverhalt nicht stehen — etwa fehlende Beteiligung oder fehlende Entwicklungsperspektiven — nennst du außerdem ausdrücklich als Annahme oder als zu prüfende Hypothese. Wie lang deine Präsentation dauern soll, steht im Merkblatt deiner Kammer — verbreitet sind zehn Minuten, einzelne Kammern nennen bis zu fünfzehn.

Die vier Verben, an denen du deine Präsentation prüfen kannst

Eine IHK fasst die Anforderung an die Präsentation so zusammen: Nachzuweisen ist, dass eine komplexe Problemstellung der betrieblichen Praxis erfasst, dargestellt, beurteilt und gelöst werden kann. Für das Fachgespräch kommen zwei weitere Verben dazu: Probleme analysieren und Lösungsmöglichkeiten bewerten.

Das ist keine Floskel, sondern eine brauchbare Selbstkontrolle. Geh deine Gliederung durch und frag bei jedem Verb, wo genau es vorkommt. Fehlt eines, fehlt es fast immer an derselben Stelle: beim Beurteilen. Viele stellen Alternativen nebeneinander und springen dann zur Empfehlung, ohne die Alternativen gegeneinander abgewogen zu haben. Genau dort setzt die erste Rückfrage an.

Zwei Dinge, die fast alle vergessen

In veröffentlichten Bewertungsrastern für Prüfungspräsentationen tauchen zwei Kriterien auf, die in der Praxis am häufigsten leer bleiben: „Zeigt sachgerechte Alternativen auf“ und „Weist auf Konsequenzen der Lösung hin“. Eine Präsentation mit genau einer Lösung und ohne Risikoabschätzung verliert dort systematisch.

Das Gegenmittel kostet zwei Sätze. Nennt die Aufgabe eine Anzahl, gilt diese Anzahl — bei „drei Führungsstile“ sind es drei, da hilft keine Faustregel. Nennt sie keine, reichen in zehn Minuten zwei Alternativen, gegenübergestellt an sichtbaren Kriterien: Kosten, Zeit, Akzeptanz. Bau außerdem ans Ende einen Satz zum größten Risiko deiner Empfehlung, samt einer Maßnahme dagegen. Damit bedienst du beide Kriterien und nimmst dem Ausschuss zwei naheliegende Rückfragen vorweg.

Der dritte Klassiker ist die Kosten-Nutzen-Frage. Sie kommt so zuverlässig, dass man sie einplanen kann: „Schöner Vorschlag — was kostet das, was bringt es?“ In jede Führungs-Fallaufgabe gehört deshalb mindestens ein grob quantifizierter Satz. Zwei Schulungstage mal Tagessatz mal Teilnehmerzahl, gegengerechnet gegen die Kosten einer Neubesetzung, reicht völlig. Wichtig ist nur: Wer eine Zahl nennt, muss sagen können, wie er darauf kommt. Eine begründete Schätzung mit offengelegter Annahme schlägt jede präzise wirkende Zahl ohne Herkunft.

Vortragen: was Punkte kostet und was sie bringt

✕ So nicht„Ähm, also, ich soll heute … ähm … etwas zu Führungsstilen sagen.“ Blick am Flipchart, Tempo steigt, Stift bleibt in der Hand.
✓ Besser„Guten Tag, mein Name ist … Die Nordtec GmbH verliert seit zwei Jahren Mitarbeiter. Ich zeige Ihnen in vier Schritten, woran das liegt und was ich Ihnen empfehle.“ Blick zum Ausschuss, Stift liegt.
✕ So nichtDie Aufgabenstellung wird vorgelesen. Der Ausschuss kennt sie — er hat sie geschrieben.
✓ BesserDie Ausgangslage in zwei bis drei eigenen Sätzen zusammenfassen, mit den Zahlen aus dem Fall. Das ist bereits eine bewertbare Leistung.
✕ So nicht„Man könnte eventuell in der heutigen schnelllebigen Zeit über einen kooperativeren Ansatz nachdenken.“
✓ Besser„Ich empfehle der Geschäftsführung, auf situative Führung umzustellen — aus drei Gründen.“ Konjunktiv und Floskel raus, Entscheidung rein.
✕ So nicht„Ja, das war's dann von meiner Seite.“ Stille, Blick zu Boden.
✓ Besser„Damit empfehle ich Ihnen Variante A und stehe für Ihre Fragen zur Verfügung.“ Ein echter Übergabesatz eröffnet das Fachgespräch.
🗣️

Sprechtempo und Pausen

Als Zielkorridor gelten rund 110 bis 130 Wörter pro Minute für einen erklärenden Vortrag. Für zehn Minuten sind das etwa 1.100 bis 1.300 Wörter — eine gute Kontrollrechnung gegen die Versuchung, zu viel Stoff zu packen.

Füllwörter entstehen fast nie aus fehlender Sprachkompetenz, sondern aus dem Bemühen, keine Stille zuzulassen. Drei Pausen helfen mehr als jede Formel: die Denkpause vor einer Antwort, die Strukturpause beim Blattwechsel und die Wirkungspause nach der Kernaussage.

🧠

Wenn der Faden reißt

Blackouts sind eingeplant. Prüfer berichten, dass Nervosität und Gedächtnislücken gerade in der Einleitung völlig normal sind; sie formulieren Fragen um, sobald jemand hängt.

Deine Landkarte ist das Agenda-Blatt: einen Schritt zurücktreten, darauf zeigen, „Damit komme ich zu Punkt drei“ — das wirkt souverän statt nach Ablesen. Ein Schluck Wasser und ein Satz wie „Einen Moment, ich sortiere kurz“ kosten fünf Sekunden. Was nicht funktioniert, ist schneller werden.

😰

Nervosität: was hilft — und was nur gut klingt

Der meistgegebene Tipp im deutschen Ratgebermarkt ist die Siegerpose vor dem Spiegel. Er ist zugleich der am schwächsten belegte: Eine Analyse der zugrunde liegenden Studien fand für die behaupteten Hormon- und Verhaltenswirkungen keinen belastbaren Beleg. Was sich in späteren Auswertungen hielt, ist allein der Effekt auf das eigene Gefühl — eine aufrechte Haltung kann also die Stimmung heben, deine Prüfungsleistung macht sie nicht.

Besser belegt sind drei andere Dinge. Erstens die Umdeutung: In einer vielbeachteten Studie wirkten Vortragende überzeugender, wenn sie ihre Aufregung vorab als Vorfreude benannten statt zu versuchen, ruhig zu werden — die Erregung blieb dabei gleich hoch, nur ihre Deutung änderte sich. Zweitens das Aufschreiben der Sorgen kurz vor der Prüfung, das in einer Untersuchung die Leistung besonders bei stark prüfungsängstlichen Personen verbesserte. Drittens langsames Ausatmen unmittelbar davor.

Das Wichtigste kommt aber vor jeder Technik: Aufgeregt zu sein ist in dieser Prüfung nicht der Ausnahmefall, sondern der Normalfall. Die Prüfer sehen den ganzen Tag Menschen, die nervös sind — sie erwarten es. Wer stattdessen völlig cool und abgeklärt hereinspaziert, wirkt eher befremdlich. Sichtbare Aufregung löst bei einem Ausschuss erfahrungsgemäß eher Wohlwollen und Nachsicht aus als eiskaltes Auftreten. Du musst deine Nervosität also weder verstecken noch bekämpfen.

Keine der genannten Techniken macht Aufregung weg. Sie verändert, was mit ihr passiert. Das Wichtigste bleibt ohnehin die Generalprobe: Wer die 30 Minuten Vorbereitungszeit zehnmal unter echten Bedingungen geübt hat, ist am Prüfungstag ruhiger als jede Atemtechnik es schafft.

Abschnitt 5

Welche Themen in der mündlichen Prüfung drankommen

Der Schwerpunkt liegt laut Verordnung auf „Führung und Zusammenarbeit“. Was das konkret heißt, steht erfreulich präzise in § 5 Absatz 5 — und zwar als abschließende Liste von sieben Inhalten.

Viele bereiten sich auf ein diffuses „irgendwas mit Personal“ vor. Dabei benennt die Verordnung den Stoff ziemlich genau. Der Handlungsbereich Führung und Zusammenarbeit umfasst diese sieben Qualifikationsinhalte:

Nr.Qualifikationsinhalt nach § 5 Abs. 5 WFachwPrVWas dahinter steckt
1Zusammenarbeit, Kommunikation und KooperationKommunikationsmodelle, Teamarbeit, Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen
2MitarbeitergesprächeAnlässe, Gesprächsaufbau, Beurteilung, Zielvereinbarung, Kritikgespräch
3KonfliktmanagementKonfliktarten, Eskalation, Lösungsstrategien, Mediation und Moderation
4MitarbeiterförderungPersonalentwicklung, Potenzialanalyse, Weiterbildung, Motivation
5AusbildungIm DIHK-Rahmenplan als „Ausbildung planen und durchführen“ — inhaltlich nah an der AEVO
6Moderation von ProjektgruppenProjektphasen, Gruppendynamik, Moderationstechniken, Kreativitätstechniken
7PräsentationstechnikenDer einzige Inhalt, den du in der Prüfung gleichzeitig lernst und vorführst

Die Verordnung nennt außerdem vier Zielgruppen der Kommunikation: Mitarbeiter, Auszubildende, Geschäftspartner und Kunden. Ein Verhandlungs- oder Kundengespräch als Aufgabe ist also nicht abwegig, auch wenn Mitarbeiterführung deutlich häufiger vorkommt.

Über diesen Schwerpunkt hinaus darf im Fachgespräch aus allen neun Qualifikations- und Handlungsbereichen beider Prüfungsteile gefragt werden. Praxisberichte bestätigen das: Da geht es nach zwanzig Minuten Führung plötzlich um den Deckungsbeitrag, die Ansoff-Matrix oder die Eigenkapitalrentabilität. Häufig ist das nicht, ausgeschlossen aber auch nicht.

Wie eine Aufgabenstellung gebaut ist

Alle Aufgabentexte, die wir gesichtet haben, folgen demselben Bauplan — und den zu kennen ist wertvoller als jede Themenliste:

1

Die Ausgangssituation

Zwei bis sechs Sätze über ein betriebliches Problem, meist mit erfundenem Firmennamen, oft mit einer Zahl. Diese Zahlen gehören in deine Präsentation — sie sind der einfachste Beleg dafür, dass du den Fall gelesen hast.

2

Die Rollenzuweisung

Fast immer eingeleitet mit „Sie sind …“. Typisch sind Assistenz der Geschäftsführung, Personalreferent, frisch beförderte Gruppen- oder Abteilungsleitung, Projektleitung. Praktisch nie bist du die Geschäftsführung selbst — du empfiehlst, du entscheidest nicht.

3

Zwei bis vier nummerierte Teilaufträge

Mit Operatoren und harten Mengenangaben: „Nennen Sie vier …“, „Erläutern Sie drei …“, „Stellen Sie gegenüber …“. Die Anzahl ist verbindlich. Wer bei vier geforderten Maßnahmen drei liefert, verliert sichtbar Punkte — und wer statt drei Führungstechniken sieben aufzählt und dafür die Begründung weglässt, ebenfalls.

Merke: Deine Gliederung spiegelt die Nummerierung der Aufgabe eins zu eins. Damit sieht der Ausschuss auf den ersten Blick, dass du jeden Teilauftrag bedient hast.

4

Zwei Standardklauseln, die kein Beiwerk sind

„Das Unternehmen hat einen Betriebsrat.“ Das ist ein versteckter Teilauftrag. Wer ihn übergeht, liefert dem Ausschuss die erste Rückfrage frei Haus.

„Zur Lösung fehlende Informationen bitte eigenständig ergänzen.“ Das ist die ausdrückliche Erlaubnis, Annahmen zu treffen. Wer stattdessen beklagt, die Angaben seien unvollständig, verschenkt Zeit und Punkte.

23 Aufgabenstellungen zum Üben

Filtere nach Schwerpunkt und nimm dir eine vor: 30 Minuten stellen, Gliederung bauen, drei Blätter schreiben, zehn Minuten laut sprechen. Zehn solcher Durchgänge verändern mehr als jedes weitere Skript.

23 Aufgabenstellungen

Personalführung

Führungsstil wechseln. Ein Betrieb mit 240 Beschäftigten wird seit der Gründung streng autoritär geführt, Krankenstand und Fluktuation steigen. Stellen Sie drei Führungsstile mit je zwei Vor- und Nachteilen gegenüber, erläutern Sie, wovon die Wahl abhängt, empfehlen Sie einen Stil und beschreiben Sie die Einführung. Das Unternehmen hat einen Betriebsrat.Halte bereit: Lewin, situatives Führen mit den vier Reifegraden, § 87 BetrVG.

Personalführung

Zielvereinbarungen einführen. Sie haben die Leitung des Vertriebsinnendienstes mit neun Mitarbeitenden übernommen und wollen erstmals mit Zielvereinbarungen arbeiten. Stellen Sie drei Führungstechniken vor, nennen Sie fünf Anforderungen an Ziele und beschreiben Sie den Ablauf eines Zielvereinbarungsgesprächs in fünf Schritten.Halte bereit: Management by Objectives, SMART, Gesprächsphasen.

Personalführung

Situativ führen verankern. Die Geschäftsleitung wechselt, der neue Geschäftsführer möchte künftig situativ führen. Erklären Sie das Prinzip, beschreiben Sie drei Maßnahmen zur Verankerung und zeigen Sie, auf welche Unternehmensbereiche sich der Führungsstil auswirkt.Berichtet von der IHK München. Halte bereit: Hersey/Blanchard, Führungskräfteentwicklung.

Personalführung

Leistungsbereitschaft nach der Umstrukturierung. Nach einer Umstrukturierung ist die Leistungsbereitschaft im Team spürbar gesunken. Erläutern Sie zwei Motivationstheorien, leiten Sie vier Maßnahmen ab — davon mindestens zwei nicht-monetäre — und beschreiben Sie, woran Sie den Erfolg messen.Halte bereit: Herzberg, Maslow, Kennzahlen wie Fluktuations- und Krankenquote.

Personalführung

Managementtechniken zuordnen. Erklären Sie vier Managementtechniken und ordnen Sie jede einem Führungsstil zu. Begründen Sie, wann Sie welche einsetzen.Berichtet von der IHK Oldenburg. Halte bereit: MbO, MbE, MbD, MbR — je zwei Vor- und Nachteile.

Personalentwicklung

Beurteilungssystem einführen. Ein Betrieb mit 300 Mitarbeitenden möchte ein Beurteilungssystem einführen. Beschreiben Sie die Ziele regelmäßiger Beurteilungen, nennen Sie die zu beachtenden Beurteilungsgrundsätze und erläutern Sie vier Beurteilungsfehler samt Auswirkungen. Das Unternehmen hat einen Betriebsrat.Berichtet von den IHKs Hanau und Hannover. Halte bereit: Halo-Effekt, Milde, Tendenz zur Mitte, § 94 und § 95 BetrVG.

Personalentwicklung

Weiterbildung planen und messen. Sie sind in der Personalabteilung für Fort- und Weiterbildung zuständig. Beschreiben Sie die Phasen der Personalentwicklung, erstellen Sie eine Bildungsbedarfsanalyse und stellen Sie dar, wie Sie den Erfolg einer Maßnahme feststellen.Berichtet von der IHK Koblenz. Halte bereit: Soll-Ist-Abgleich, die vier Ebenen des Bildungscontrollings.

Personalentwicklung

Nachfolge für die Führungsebene. Ein Großteil der Führungskräfte scheidet in den nächsten Jahren altersbedingt aus. Arbeiten Sie drei Teilbereiche der Personalplanung aus, die beim Führungskräftewechsel zu betrachten sind. Gehen Sie dabei an je zwei Beispielen auf die erforderlichen Handlungen ein.Halte bereit: Potenzialanalyse, Nachfolgeplanung, § 92 BetrVG.

Personalentwicklung

Wissen sichern, Fachkräfte gewinnen. Zahlreiche Servicemitarbeitende gehen in den Ruhestand, gleichzeitig herrscht Fachkräftemangel. Zeigen Sie zwei Ansätze, wie implizites Wissen in explizites überführt wird, stellen Sie vier Maßnahmen zur Arbeitgeberattraktivität vor und beschreiben Sie die Einführung einer Wissensdatenbank.Halte bereit: Wissensmanagement, Mentoring, Employer Branding.

Personalentwicklung

Kompetenzen erkennen und fördern. Sie leiten als Assistenz der Geschäftsführung neue Projekte. Machen Sie Ihr Team zum Siegerteam: Wie erkennen und fördern Sie persönliche und fachliche Kompetenzen? Beachten Sie die unterschiedlichen Charaktere.Berichtet von der IHK Lüneburg. Halte bereit: Teamphasen, Teamrollen, Potenzialanalyse.

Konflikt & Kommunikation

Zwei Gruppen im Streit. In der Logistikabteilung streiten seit Monaten zwei Gruppen; eine Seite wirft der anderen mangelnden Einsatz vor. Ordnen Sie den Konflikt ein, beschreiben Sie Ablauf und Teilnehmer eines Gesprächs, grenzen Sie Mediator und Moderator ab und schlagen Sie eine Lösung vor. Sind Rechte des Betriebsrats betroffen?Halte bereit: Konfliktarten, Glasl-Eskalationsstufen, die fünf Mediationsphasen.

Konflikt & Kommunikation

Kritikgespräch vorbereiten. Anlass sind wiederholt überzogene Pausen und ein rüder Umgang mit Kolleginnen und Kollegen. Beschreiben Sie drei organisatorische Vorbereitungen, strukturieren Sie den Gesprächsverlauf in fünf Schritten mit je zwei Beispielen und klären Sie, inwieweit der Betriebsrat einzubinden ist.Berichtet von der IHK Augsburg. Halte bereit: Gesprächsphasen, Ich-Botschaften, Abmahnung als mögliche nächste Stufe. Rechne mit der Rückfrage, wie du vorgehen würdest, wenn zusätzlich häufige Krankmeldungen auffallen — das ist ausdrücklich kein Fehlverhalten und gehört getrennt behandelt.

Konflikt & Kommunikation

Der übergangene Kollege. Sie haben Ihre Weiterbildung bestanden und werden zur Gruppenleitung befördert. Ein übergangener Kollege äußert sich im Team negativ über Sie. Sie beschließen, ihn anzusprechen: Wie gehen Sie vor, worauf müssen Sie achten?Halte bereit: Rollenkonflikt, aktives Zuhören, Führung ehemaliger Kollegen.

Konflikt & Kommunikation

Besprechung zur Schichtumstellung. Die Produktion stellt von Zwei- auf Dreischichtbetrieb um. Planen Sie eine Besprechung, die sicherstellt, dass alle Mitarbeitenden die Neuerungen umsetzen. Beschreiben Sie Planung, Durchführung und Nachbereitung und begründen Sie Führungsstil und Führungstechnik.Berichtet von der IHK Bremen. Halte bereit: Besprechungsphasen, § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG.

Konflikt & Kommunikation

Mediation erklären. Was ist ein Mediator, welche fünf Phasen durchläuft eine Mediation, welche drei Konfliktarten unterscheiden Sie?Berichtet von der IHK Stuttgart. Halte bereit: Allparteilichkeit, Freiwilligkeit, Abgrenzung zur Moderation.

Team & Organisation

Projektassistenz auswählen. Sie leiten ein einjähriges Projekt zur Neuausrichtung des Unternehmens und bekommen eine Assistenz bewilligt. Definieren Sie fünf unverzichtbare Fähigkeiten mit Begründung, entwerfen Sie fünf wesentliche Inhalte der Stellenanzeige und klären Sie die Beteiligung des Betriebsrats.Halte bereit: Anforderungsprofil, § 93 und § 99 BetrVG, AGG-konforme Ausschreibung.

Team & Organisation

Veränderungsbereitschaft stärken. Marktschwankungen erzwingen organisatorische Veränderungen, auch Stellenabbau steht im Raum. Beschreiben Sie drei typische Veränderungen im betrieblichen Alltag, vier Maßnahmen zur Stärkung der Veränderungsbereitschaft nach harten und weichen Faktoren — und wie Sie mit Mitarbeitenden umgehen, die offen nicht mitziehen.Halte bereit: Change Management, Widerstandsformen, Kommunikation in Veränderungen.

Team & Organisation

Stabsstelle Controlling einrichten. Sie sollen eine Stelle für das Controlling beschreiben und ausschreiben. Erstellen Sie die Ausschreibung, beschreiben Sie die organisatorischen Besonderheiten einer Stabsstelle mit je drei Chancen und Risiken und erläutern Sie Aufbau und Sinn eines Organigramms.Berichtet von der IHK Regensburg. Halte bereit: Stellenbeschreibung vs. Stellenausschreibung, Linien- und Stabsorganisation.

Team & Organisation

Zwei Standorte, gegenläufige Entwicklung. Standort A schreibt seit zwei Jahren rote Zahlen und muss Personal abbauen, Standort B in 400 Kilometern Entfernung wächst und sucht Personal. Entwickeln Sie ein Konzept, wie Sie vorgehen.Berichtet von der IHK Darmstadt (2024). Das Fachgespräch ging danach zu Change Management, Wissensmanagement, Kündigungen und Personalbeschaffung.

Ausbildung & Recht

Mehr ausbilden, Ausbilder gewinnen. Die Geschäftsführung möchte künftig mehr junge Menschen ausbilden und mehr Ausbilder einsetzen. Formulieren Sie vier Anforderungen an eine moderne Ausbildung, entwerfen Sie eine Stellenausschreibung für einen hauptamtlichen Ausbilder und beschreiben Sie Ihre Maßnahmen zur Azubi-Gewinnung. Das Unternehmen hat einen Betriebsrat.Halte bereit: § 14 BBiG, Ausbildereignung, §§ 96–98 BetrVG.

Ausbildung & Recht

Erstmals ausbilden. Ihr Unternehmen will zum ersten Mal ausbilden. Formulieren Sie sechs konkrete Fragen an die Ausbildungsberatung der IHK und nennen Sie zwei Wege, wie Auszubildende Inhalte lernen, die Ihr Betrieb nicht vermitteln kann.Berichtet von der IHK Hannover. Halte bereit: Verbundausbildung, überbetriebliche Lehrgänge, § 14 BBiG, Ausbildungsrahmenplan.

Ausbildung & Recht

Auszubildende richtig beurteilen. Auszubildende sollen künftig leistungsgerecht und situationsbezogen beurteilt werden. Beschreiben Sie an Beispielen, welche Beurteilungsfehler in den Gesprächen auftreten können, wie sich diese vermeiden lassen und wer zu beteiligen ist.Berichtet von der IHK Hannover. Halte bereit: Beurteilungsfehler, Feedbackregeln, § 98 BetrVG, Ausbildungsnachweis.

Ausbildung & Recht

Personalanpassung mit Rechtsrahmen. Aufgrund der Marktsituation stehen weitreichende Personalanpassungsmaßnahmen bevor. Arbeiten Sie als Assistenz der Geschäftsführung Vorschläge aus, berücksichtigen Sie die einschlägigen Rechtsgrundlagen und gehen Sie darauf ein, ob und inwieweit der Betriebsrat zu beteiligen ist.Halte bereit: Kündigungsarten, Sozialauswahl nach § 1 KSchG, § 102 BetrVG, Kurzarbeit und Altersteilzeit als mildere Mittel.

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Wichtig zur Einordnung: Es gibt keinen bundeseinheitlichen Aufgabenpool für die mündliche Prüfung — die Aufgaben werden von den jeweiligen Prüfungsausschüssen selbst entwickelt. Jede Themenliste im Netz ist eine Sammlung von Erfahrungsberichten und Übungsaufgaben, nie ein offizieller Pool; wer sie als Garantie verkauft, ist unseriös. Die oben mit einer Kammer gekennzeichneten Aufgaben stammen aus Teilnehmerberichten und sind sinngemäß wiedergegeben, die übrigen nach demselben Bauplan formuliert. Ihr Wert liegt nicht im Auswendiglernen, sondern darin, dass sich sechs Bausteine ständig wiederholen: Führungsstil, Beurteilung, Gespräch führen, Team, Ausbildung, Betriebsrat.
🎯

Themaverfehlung ist das vermeidbarste Risiko der ganzen Prüfung

Wer einen Teilauftrag auslässt oder eine andere Frage beantwortet als die gestellte, verschenkt die beste Gelegenheit, seine Kompetenz zu zeigen — und kann das im Fachgespräch oft nicht mehr aufholen. In Erfahrungsberichten taucht das immer wieder auf: Eine Teilnehmerin scheiterte im ersten Anlauf daran und konnte es im Fachgespräch nicht mehr ausgleichen; ihre Prüferin bescheinigte ihr beim zweiten Versuch trocken einen „Hang zur Themaverfehlung“. Ein anderer verlor Punkte, weil ein in der Aufgabe verlangter Fachbegriff in seiner Präsentation schlicht nicht vorkam.

Das Gegenmittel steckt in den ersten fünf Minuten der Vorbereitungszeit: jeden Teilauftrag einzeln markieren, die geforderten Anzahlen danebenschreiben und die Gliederung eins zu eins daraus bauen. Wer die Aufgabe umdeutet, weil ihm ein anderes Thema besser liegt, verliert Punkte genau dort, wo sie am teuersten sind.

Abschnitt 6

Das Fachgespräch: hier entstehen zwei Drittel deiner mündlichen Note

Die Präsentation ist die Eintrittskarte. Entschieden wird in den zwanzig Minuten danach — und zwar seltener über Auswendiggelerntes, als die meisten befürchten.

Eine IHK formuliert den Anspruch an Fortbildungs-Fachgespräche in einem Satz, den man sich einrahmen kann: „Das bloße Abfragen von Wissen bzw. von Kenntnissen ist nicht Bestandteil der Prüfung.“ Eine andere beschreibt, worauf es stattdessen ankommt: auf die Analyse und Strukturierung des Themas, die Systematik der Kernaussagen, das Einbringen von Berufserfahrung mit fachlichem Hintergrund und die Praxisorientierung.

Das ist eine gute Nachricht für alle, die fürchten, ein Modell nicht wortgenau parat zu haben. Es ist eine schlechte für alle, die zwanzig Definitionen auswendig gelernt haben und sie nun aufsagen wollen. Gefragt ist, ob du eine betriebliche Situation einschätzen und begründet handeln kannst — mit Fachsprache, aber nicht als Fachsprache.

Wie eine gute mündliche Antwort gebaut ist

Antworten dauern idealerweise 30 bis 60 Sekunden. Kürzer wirkt dünn, länger provoziert Unterbrechungen und verbraucht die Zeit, in der zwei Drittel deiner Note vergeben werden. In diese halbe Minute passen vier Schritte:

1

These — die Antwort zuerst

Beantworte die Frage im ersten Satz, bevor du erklärst. Kündige gern die Struktur an: „Dazu nenne ich Ihnen drei Punkte.“ Der Ausschuss weiß dann, wohin es geht, kann also alles Weitere einordnen.

„Ich würde hier den kooperativen Stil wählen — aus drei Gründen.“

2

Begründung — mit Fachbegriff

Jetzt kommt das Warum. Hier gehören die Fachbegriffe hin. In veröffentlichten Bewertungsrastern ist „Verwendung von Fachbegriffen“ ein eigenständiges Kriterium. Wer sagt „die Leute besser drauf kriegen“ statt „die intrinsische Motivation über Zielvereinbarungen stärken“, verliert Punkte, obwohl die Sache stimmt.

3

Praxisbeispiel — kurz und konkret

Ein Satz aus dem geschilderten Fall oder aus deinem eigenen Berufsalltag. Das ist die Stelle, an der du zeigst, dass du das Modell nicht nur kennst, sondern anwenden kannst.

4

Rückbezug — der Schritt, der fast immer fehlt

Verknüpfe die Antwort mit deiner Präsentation oder dem Fall: „…und genau deshalb hatte ich Ihnen vorhin Variante A vorgeschlagen.“ Damit bedienst du das Kriterium, das in Bewertungsmatrizen „Einordnung in Gesamtzusammenhänge“ heißt — und es ist erfahrungsgemäß der Unterschied zwischen befriedigend und gut.

Du steuerst das Fachgespräch mehr, als du denkst

Das Fachgespräch wird ausgehend von deiner Präsentation geführt. Daraus folgen zwei Strategien, die erfahrene Prüflinge bewusst einsetzen.

Die Sicherheitsregel: Verwende in der Präsentation nur Begriffe und Modelle, die du auch vertiefen kannst. Wer eine Managementtechnik nennt, die er nicht erklären kann, hat sich die Frage selbst bestellt — und zwar genau die, an der er scheitert.

Die Anker-Strategie: Reiß ein Thema, das du sicher beherrschst, in der Präsentation bewusst kurz an, ohne es auszuführen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Ausschuss genau dort nachfragt. Ein Teilnehmer beschreibt es so, dass er ein bis zwei Aspekte gezielt weggelassen hat, um sie im Gespräch selbst einzubringen.

Ehrlichkeitshalber: Anker verschieben Wahrscheinlichkeiten, sie garantieren nichts. Das Gespräch darf sich auf alle Qualifikations- und Handlungsbereiche erstrecken; Praxisberichte zeigen Sprünge von Führungsstilen zu Deckungsbeitrag und Eigenkapitalquote. Häufig ist das nicht — ein erfahrener Prüfling im Forum hält es für „sehr selten“ und rät davon ab, deswegen noch einmal alle Fächer durchzuarbeiten.

🤷

Wenn du etwas nicht weißt

Sag es offen. Meist geht der Ausschuss dann zur nächsten Frage über — Schweigen ist die schlechteste Variante, Bluffen die zweitschlechteste, weil Nachfragen es sicher aufdecken. Hast du einen Ansatz, leg ihn offen: „Den Begriff kann ich Ihnen nicht sicher definieren. Leite ich ihn aus … ab, würde ich sagen …“

🙋

Hilfestellung ist kein Makel

In Bewertungsbögen gibt es abgestufte Kategorien von „ausführlich beantwortet“ über „nach leichter Hilfestellung beantwortet“ bis „trotz Hilfestellung nicht beantwortet“. Eine Frage nach einem Hinweis zu lösen liegt weit über gar nicht zu antworten. Nachzufragen, wenn eine Frage mehrdeutig ist, wirkt professionell — nicht unsicher.

⚔️

Wenn ein Prüfer widerspricht

„Hätten Sie nicht auch XY machen können?“ ist meist eine Einladung zum Abwägen, kein Angriff. Weder einknicken noch rechthaben: abwägen mit Kriterium. „XY wäre möglich. Ich habe mich dagegen entschieden, weil … Bei anderer Ausgangslage würde ich XY vorziehen.“ In manchen Rastern heißt dieses Kriterium ausdrücklich „Behandlung von Einwänden“.

25 typische Prüferfragen — mit Antwortgerüst

Klapp eine Frage auf und schau dir an, wie eine Antwort aufgebaut wäre. Die Fragen sind aus Erfahrungsberichten mehrerer Kammern rekonstruiert und in typischem Prüfer-Wortlaut formuliert.

Zu deiner Präsentation · kommt fast immer zuerst
„Sie haben eben den Begriff X verwendet — was verstehen Sie genau darunter?“

So baust du die Antwort auf

  1. Definition in einem Satz, nicht in vier.
  2. Abgrenzung zum nächstliegenden Nachbarbegriff — das zeigt Durchdringung.
  3. Anwendung auf den Fall: „Bei der Nordtec GmbH heißt das konkret …“
Merke: Diese Frage ist der Grund für die Sicherheitsregel. Jeder Begriff auf deinem Flipchart ist eine Einladung. Setz nur Begriffe darauf, die du in diesen drei Schritten erklären kannst.
„Warum haben Sie sich für diese Lösung entschieden und nicht für die naheliegende Alternative?“

So baust du die Antwort auf

  1. Kriterium zuerst nennen, an dem du entschieden hast: Kosten, Zeit, Akzeptanz, Risiko.
  2. Beide Varianten daran messen — kurz, in je einem Satz.
  3. Festlegen und die Bedingung nennen, unter der du anders entscheiden würdest.
Wichtig: Ein an Bedingungen geknüpftes Urteil ist eine gute Antwort, solange die Bedingungen benannt und begründet sind. „Es kommt darauf an“ allein ist es nicht.
„Was kostet Ihr Vorschlag ungefähr, was bringt er dem Unternehmen?“

So baust du die Antwort auf

  1. Annahme offenlegen: „Ich rechne mit zwei Schulungstagen für zwölf Führungskräfte, gebucht als Inhouse-Training für die gesamte Gruppe.“
  2. Grob rechnen: Bei einem Tagessatz je Teilnehmer: Tagessatz × Tage × Personen. Bucht ihr dagegen einen Trainer für die ganze Gruppe, rechnest du Tagessatz × Tage und die Personenzahl fällt weg — sag dazu, welche Variante du meinst.
  3. Gegenrechnen: Was kostet eine Neubesetzung, was kostet ein Fehltag?
  4. Fazit: „Die Maßnahme rechnet sich, sobald wir zwei Kündigungen im Jahr vermeiden.“
Diese Frage kommt so zuverlässig, dass du sie einplanen kannst. Eine begründete Schätzung mit offengelegter Annahme ist besser als eine präzise wirkende Zahl, deren Herkunft du nicht erklären kannst.
„Woran messen Sie, ob Ihre Maßnahmen gewirkt haben — nennen Sie mir zwei Kennzahlen.“

So baust du die Antwort auf

  1. Zwei Kennzahlen nennen, die zur Maßnahme passen: Fluktuationsquote, Krankenquote, Durchlaufzeit, Ausbildungsabbruchquote, Ergebnis einer Mitarbeiterbefragung.
  2. Berechnung skizzieren: Fluktuationsquote = Abgänge im Bezugszeitraum ÷ durchschnittlicher Personalbestand desselben Zeitraums × 100. Achte darauf, dass Zeitraum und Nenner zusammenpassen.
  3. Messzeitpunkt nennen: Ausgangswert heute, Vergleich nach zwölf Monaten.
Fachbegriff, der hier zieht: Zielwert statt Wunsch. „Von 14 % auf 8 % in zwölf Monaten“ schlägt „die Fluktuation soll sinken“.
Führung und Führungsstile · der häufigste Block
„Welchen Führungsstil empfehlen Sie in dieser Situation und mit welcher Begründung?“

So baust du die Antwort auf

  1. Festlegen, nicht aufzählen.
  2. Am Reifegrad begründen: Wie erfahren und wie motiviert ist dieses Team?
  3. Grenze benennen: „In einer Notlage würde ich kurzfristig direktiver führen.“
Halte bereit: Lewin (autoritär, kooperativ, laissez-faire) samt der Iowa-Befunde, situatives Führen nach Hersey und Blanchard mit den vier Reifegraden und den vier Stilen.
„Was ist der Unterschied zwischen Führungsstil, Führungstechnik und Führungsmittel?“

So baust du die Antwort auf

  1. Führungsstil = die grundsätzliche Art, mit Mitarbeitenden umzugehen — dauerhaft, an der Person der Führungskraft hängend.
  2. Führungstechnik = ein Verfahren, wie geführt wird: Management by Objectives, by Exception, by Delegation.
  3. Führungsmittel = die konkreten Werkzeuge: Zielvereinbarung, Mitarbeitergespräch, Lob, Kritik, Anreizsystem.
  4. Beispiel aus dem Fall anhängen.
Eine Frage, die Systematik testet. Wer die drei Ebenen sauber trennt, wirkt sofort geordnet.
„Erklären Sie mir Management by Objectives, by Exception und by Delegation — und wann Sie was einsetzen.“

So baust du die Antwort auf

  1. MbO: Führung über gemeinsam vereinbarte Ziele; das Wie bleibt beim Mitarbeitenden. Vorteil Motivation und Entlastung, Nachteil hoher Abstimmungsaufwand und die Gefahr reiner Zahlensteuerung.
  2. MbE: Führung nach dem Ausnahmeprinzip; eingegriffen wird erst bei Abweichung. Vorteil Entlastung, Nachteil dass nur Negatives Aufmerksamkeit bekommt.
  3. MbD: Übertragung von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung. Vorteil Entwicklung der Mitarbeitenden, Nachteil dass Delegation ohne Kompetenz nicht funktioniert.
  4. Zuordnung zum Fall mit einem Satz.
Der Klassiker unter den Rückfragen: „Und was ist bei MbD mit der Führungsverantwortung?“ — Die bleibt bei der Führungskraft, delegiert wird die Handlungsverantwortung.
„Formulieren Sie mir ein Ziel nach der SMART-Formel für Ihre Fallsituation.“

So baust du die Antwort auf

  1. Erst das fertige Ziel sprechen, dann auflösen.
  2. Auflösen entlang der fünf Buchstaben: spezifisch, messbar, attraktiv beziehungsweise akzeptiert, realistisch, terminiert.

Beispielsatz: „Die Fluktuationsquote im gewerblichen Bereich sinkt im Kalenderjahr 2027 von 14 % auf 8 % — gemessen als Austritte des Jahres geteilt durch den durchschnittlichen Personalbestand.“

Häufiger Fehler: die Buchstaben aufsagen, ohne ein Ziel zu formulieren. Die Frage verlangt das Produkt, nicht das Rezept.
Personal, Beurteilung und Entwicklung
„Nennen Sie mir vier Beurteilungsfehler und erklären Sie, wie sie entstehen.“

So baust du die Antwort auf

  1. Halo-Effekt: Ein auffälliges Merkmal überstrahlt alle anderen.
  2. Tendenz zur Mitte: Aus Unsicherheit wird alles mittelmäßig bewertet.
  3. Milde- oder Strengefehler: Die persönliche Messlatte der beurteilenden Person verschiebt die ganze Skala.
  4. Recency-Effekt: Die letzten Wochen überlagern das ganze Jahr.
  5. Je Fehler eine Gegenmaßnahme anhängen — danach wird ohnehin gefragt.
Gegenmaßnahmen in einem Satz: Beurteilungskriterien vorher festlegen, mehrere Beurteiler einbeziehen, Beurteilerschulung, laufende Dokumentation statt Rückblick aus dem Gedächtnis.
„Was gehört in eine Stellenbeschreibung, was in eine Stellenausschreibung — wo ist der Unterschied?“

So baust du die Antwort auf

  1. Stellenbeschreibung = internes Dokument, das Aufgaben, Verantwortung und Anforderungen einer Stelle festhält: Stellenbezeichnung, Einordnung, Ziel, Aufgaben, Kompetenzen, Vertretungsregelung.
  2. Stellenausschreibung = der Text, der sich an mögliche Bewerber richtet — innerhalb oder außerhalb des Unternehmens. Er wird aus der Stellenbeschreibung abgeleitet und wirbt zusätzlich.
  3. Rechtlicher Hinweis: Die Ausschreibung muss diskriminierungsfrei formuliert sein, also geschlechtsneutral und ohne Altersgrenzen.
Anschlussfrage, die fast immer kommt: „Und der Betriebsrat?“ — Nach § 93 BetrVG kann er verlangen, dass Stellen vor der Besetzung innerhalb des Betriebs ausgeschrieben werden. Ein zeitlicher Vorrang vor jeder externen Ausschreibung folgt daraus nicht.
„Nennen Sie je drei Vor- und Nachteile der internen und der externen Personalbeschaffung.“

So baust du die Antwort auf

  1. Intern, dafür: günstiger und schneller, Bewerber ist bekannt, wirkt motivierend als Aufstiegsperspektive.
  2. Intern, dagegen: Betriebsblindheit, die Lücke wandert nur weiter, mögliche Rivalität im Team.
  3. Extern, dafür: neue Impulse, größerer Bewerberkreis, keine Folgevakanz.
  4. Extern, dagegen: teurer, längere Einarbeitung, höheres Fehlbesetzungsrisiko.
Sauber strukturieren: zwei Blöcke, nicht acht lose Punkte. Wer „intern dafür, intern dagegen, extern dafür, extern dagegen“ ankündigt, ist schon halb bewertet.
„Wie stellen Sie fest, ob eine Weiterbildung etwas gebracht hat?“

So baust du die Antwort auf

  1. Vier Ebenen nennen: Reaktion (wie zufrieden waren die Teilnehmenden), Lernen (was wurde gelernt), Verhalten (was hat sich im Arbeitsalltag geändert), Ergebnisse (was hat sich betriebswirtschaftlich verändert).
  2. Je Ebene ein Messinstrument: Feedbackbogen, Lernerfolgskontrolle, Beobachtung und Mitarbeitergespräch, Kennzahl.
  3. Ehrlich einordnen: Die oberen Ebenen sind aufwendiger zu messen — deshalb bleibt es in der Praxis oft beim Feedbackbogen.
Vorsicht bei einer verbreiteten Fehlzuschreibung: Eine fünfte Ebene „Return on Investment“ wird häufig angehängt, stammt aber nicht aus dem ursprünglichen Vier-Ebenen-Modell.
„Was ist eine Potenzialanalyse und wofür brauchen Sie sie?“

So baust du die Antwort auf

  1. Abgrenzen: Die Leistungsbeurteilung schaut zurück, die Potenzialanalyse nach vorn — auf die Eignung für künftige Aufgaben.
  2. Instrumente nennen: strukturiertes Gespräch, Assessment Center, Testverfahren, Beobachtung in Projekten.
  3. Zweck im Fall: Nachfolgeplanung, gezielte Entwicklung, Besetzung von Schlüsselpositionen.
Halte bereit: Personalentwicklung nach dem Ort der Maßnahme — into, on, near, off und out the job, mit je einem Beispiel.
Team, Konflikt und Kommunikation
„Was ist der Unterschied zwischen einer Gruppe und einem Team?“

So baust du die Antwort auf

  1. Gruppe: mehrere Personen mit Kontakt zueinander, aber ohne zwingend gemeinsames Ziel.
  2. Team: gemeinsames Ziel, verteilte Rollen, wechselseitige Abhängigkeit, gemeinsame Verantwortung für das Ergebnis.
  3. Konsequenz für die Führung: Ein Team entsteht nicht durch Umbenennung, sondern durch Zielklarheit und Rollenverteilung.
Wörtlich so berichtet von der IHK Lüneburg, dort zusammen mit Fragen zu Synergieeffekten und zur Auswahl von Projektmitarbeitenden.
„Welche Phasen durchläuft eine Gruppe, bis sie leistungsfähig ist?“

So baust du die Antwort auf

  1. Forming — Orientierung, höflicher Umgang, viel Unsicherheit. Führung: Struktur geben.
  2. Storming — Rollen und Rangordnung werden ausgehandelt, Konflikte kommen hoch. Führung: moderieren, nicht unterdrücken.
  3. Norming — Regeln entstehen, Zusammenarbeit stabilisiert sich. Führung: Regeln sichern.
  4. Performing — das Team arbeitet produktiv. Führung: Freiraum lassen.
  5. Adjourning — Auflösung, Abschluss, Auswertung.
Die Pointe, die selten kommt: Die Führungsaufgabe verändert sich je Phase — das verhält sich wie situatives Führen. Wer das anfügt, verknüpft zwei Modelle.
„Woran erkennen Sie, dass ein Konflikt eskaliert — und wer kann dann noch eingreifen?“

So baust du die Antwort auf

  1. Neun Stufen in drei Ebenen: Stufen 1 bis 3 lassen noch eine Lösung zu, von der beide Seiten profitieren; Stufen 4 bis 6 sind auf Gewinnen zulasten des anderen gerichtet; ab Stufe 7 nimmt man eigenen Schaden in Kauf, um den anderen zu schädigen.
  2. Erkennungsmerkmale: von der Verhärtung über Koalitionsbildung und Gesichtsverlust bis zur offenen Zerstörung.
  3. Eingriff je Ebene: in der ersten Ebene reicht Moderation durch die Führungskraft, in der zweiten braucht es Vermittlung von außen, etwa Mediation, in der dritten hilft nur noch ein Machteingriff.
Halte bereit: die Konfliktarten — Ziel-, Beurteilungs-, Verteilungs-, Beziehungs- und Rollenkonflikt — und die Abgrenzung von Moderator und Mediator.
„Wie führen Sie ein Kritikgespräch — Schritt für Schritt, bitte.“

So baust du die Antwort auf

  1. Vorbereitung: Fakten sammeln, Termin und störungsfreier Raum, unter vier Augen, zeitnah zum Anlass.
  2. Einstieg: Anlass benennen, ohne Vorwurf.
  3. Sachverhalt schildern als Ich-Botschaft über den Dreischritt Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch.
  4. Standpunkt des Mitarbeitenden anhören — aktiv zuhören, nachfragen.
  5. Vereinbarung treffen mit konkretem Ziel und Termin, dann dokumentieren und nachhalten.
Anschlussfrage: „Was, wenn sich nichts ändert?“ — Bei steuerbarem, vorwerfbarem Fehlverhalten kommt als nächste Stufe die Abmahnung mit ihren drei Funktionen in Betracht: Hinweis, Rüge, Warnung mit Ankündigung arbeitsrechtlicher Folgen. Wichtige Abgrenzung: Krankheitsbedingte Fehlzeiten sind kein abmahnfähiges Fehlverhalten. Dort geht es um Ursachenklärung, Unterstützung und gegebenenfalls ein betriebliches Eingliederungsmanagement — auch die Kündigung wird in diesem Fall anders geprüft.
„Erklären Sie mir das Eisbergmodell — und was folgt daraus für Ihr Gespräch?“

So baust du die Antwort auf

  1. Bild erklären: Der sichtbare Teil ist die Sachebene — Zahlen, Fakten, Argumente. Der weitaus größere unsichtbare Teil ist die Beziehungsebene: Gefühle, Erwartungen, Erfahrungen.
  2. Konsequenz: Konflikte, die sachlich nicht lösbar scheinen, liegen meist unter der Wasseroberfläche.
  3. Handlung: Beziehungsebene ansprechen, bevor man weiter über die Sache streitet.
Verwandte Modelle, nach denen ebenfalls gefragt wird: die vier Seiten einer Nachricht und die Axiome der Kommunikation — allen voran, dass man nicht nicht kommunizieren kann.
Ausbildung, Recht und Betriebsrat
„Wann ist der Betriebsrat zu beteiligen, nach welcher Vorschrift?“

So baust du die Antwort auf

  1. Drei Beteiligungsstufen unterscheiden: unterrichten, anhören, mitbestimmen — das ist die eigentliche Systematik.
  2. Mitbestimmung in sozialen Angelegenheiten nach § 87 BetrVG — sie greift, soweit keine gesetzliche oder tarifliche Regelung besteht: Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit, Überstunden und Kurzarbeit, Urlaubsgrundsätze, technische Einrichtungen zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle.
  3. Personelle Einzelmaßnahmen nach § 99 BetrVG: Zustimmung bei Einstellung, Ein- und Umgruppierung und Versetzung — in Unternehmen mit in der Regel mehr als 20 wahlberechtigten Arbeitnehmern.
  4. Vor jeder Kündigung ist der Betriebsrat nach § 102 BetrVG zu hören — ohne Anhörung ist die Kündigung unwirksam.
Der Satz, der Punkte bringt: „Mitbestimmung nach § 87 heißt erzwingbar — kommt keine Einigung zustande, entscheidet die Einigungsstelle; ihr Spruch ersetzt die Einigung.“ Achte auf die Abgrenzung: Bei § 99 geht es im Streitfall nicht zur Einigungsstelle, sondern zum Arbeitsgericht.
„Welche Pflichten hat der Ausbildende, welche der Auszubildende?“

So baust du die Antwort auf

  1. Ausbildende nach § 14 BBiG: dafür sorgen, dass die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird, die zum Ausbildungsziel führt; selbst ausbilden oder einen Ausbilder ausdrücklich damit beauftragen; die Ausbildungsmittel kostenlos zur Verfügung stellen; zum Besuch der Berufsschule anhalten; charakterlich fördern und nicht gefährden.
  2. Auszubildende nach § 13 BBiG: sich bemühen, die Handlungsfähigkeit zu erwerben, Aufgaben sorgfältig ausführen, Weisungen folgen, Berufsschule und Prüfungen besuchen, die Ordnung der Ausbildungsstätte beachten, Werkzeuge pfleglich behandeln, Betriebsgeheimnisse wahren und den Ausbildungsnachweis führen.
  3. Auf den Fall beziehen — welche Pflicht ist hier verletzt oder betroffen?
Nachbarparagraphen, die häufig folgen: Freistellung für die Berufsschule (§ 15), Probezeit von mindestens einem bis höchstens vier Monaten (§ 20), Kündigung nach der Probezeit durch den Betrieb nur aus wichtigem Grund — durch Auszubildende zusätzlich mit vier Wochen Frist bei Aufgabe oder Wechsel der Berufsausbildung (§ 22), Zeugnis (§ 16).
„Welche Kündigungsarten kennen Sie — was ist vor einer verhaltensbedingten Kündigung erforderlich?“

So baust du die Antwort auf

  1. Ordentlich mit Frist — personen-, verhaltens- oder betriebsbedingt — gegenüber außerordentlich aus wichtigem Grund, für die eine Zwei-Wochen-Frist ab Kenntnis gilt.
  2. Vor der verhaltensbedingten Kündigung steht in aller Regel die Abmahnung: Sie weist auf das Fehlverhalten hin, rügt es und kündigt Konsequenzen an.
  3. Formalien: Schriftform ist zwingend, elektronische Form ausgeschlossen; der Betriebsrat ist vorher zu hören; für eine Kündigungsschutzklage gilt eine Frist von drei Wochen ab Zugang.
  4. Bei betriebsbedingter Kündigung die Sozialauswahl nennen: Dauer der Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten, Schwerbehinderung.
Praktischer Hinweis: Der allgemeine Kündigungsschutz greift erst nach sechs Monaten Beschäftigung und nur in Betrieben mit in der Regel mehr als zehn Arbeitnehmern — Auszubildende zählen dabei nicht mit, Teilzeitkräfte nur anteilig.
„Was regelt das AGG, was bedeutet das für Ihre Stellenausschreibung?“

So baust du die Antwort auf

  1. Zweck: Benachteiligungen aus bestimmten Gründen verhindern oder beseitigen.
  2. Die geschützten Merkmale nennen — unter anderem Geschlecht, Alter, Behinderung, Religion oder Weltanschauung, sexuelle Identität und ethnische Herkunft. Alter schützt in beide Richtungen, also auch junge Menschen.
  3. Für die Ausschreibung heißt das: geschlechtsneutral formulieren, keine Altersgrenzen, keine Anforderungen ohne sachlichen Bezug zur Tätigkeit.
  4. Pflicht des Arbeitgebers: vorbeugen, schulen, bei Verstößen einschreiten und eine Beschwerdestelle einrichten.
Berichtet von der IHK Stuttgart. Der Rechtsteil ist erfahrungsgemäß der Bereich, in dem am ehesten geschwommen wird — er lässt sich im Vorbereitungsraum nicht improvisieren.
Die Ausreißer · seltener, aber gefürchtet
„Was sagt der Deckungsbeitrag aus, wie ermitteln Sie den Break-even-Point?“

So baust du die Antwort auf

  1. Deckungsbeitrag je Stück = Verkaufspreis minus variable Stückkosten. Er sagt, wie viel jedes verkaufte Stück zur Deckung der Fixkosten beiträgt.
  2. Break-even-Menge = Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag je Stück. An dieser Absatzmenge sind Erlöse und Kosten gleich hoch, der Gewinn beträgt also null. Erst oberhalb davon entsteht im zugrunde gelegten Modell Gewinn.
  3. Kurz einordnen: Wofür brauchst du das? Für Preisuntergrenzen und Zusatzaufträge.
Ruhe bewahren: Solche Fragen kommen selten. Kommt eine, ist sie meist eine Standardformel — nicht der Einstieg in eine zweite Rechnungswesen-Klausur.
„Wo steht Ihr Vorschlag in der Ansoff-Matrix?“

So baust du die Antwort auf

  1. Zwei Achsen nennen: Produkte (bestehend/neu) und Märkte (bestehend/neu).
  2. Vier Felder: Marktdurchdringung, Marktentwicklung, Produktentwicklung, Diversifikation.
  3. Einordnen und begründen, welches Feld zum geschilderten Vorhaben passt — mit einem Satz zum Risiko, das mit jedem Schritt nach außen steigt.
Berichtet unter anderem von den IHKs Darmstadt und Heilbronn-Franken, dort zusammen mit Portfolio-Matrix und Produktlebenszyklus.
„Nennen Sie mir drei Kennzahlen, mit denen Sie Ihren Vorschlag steuern.“

So baust du die Antwort auf

  1. Zur Personalseite: Fluktuationsquote, Krankenquote, Anteil unbesetzter Stellen, Ausbildungsabbruchquote.
  2. Zur Wirtschaftlichkeit: Personalkostenquote, Kosten je Neubesetzung, Weiterbildungskosten je Mitarbeitendem.
  3. Je Kennzahl sagen, was sie steuert — eine Kennzahl ohne Entscheidung dahinter ist nur eine Zahl.
Der Satz, der solche Fragen abschließt: „Ich würde Ausgangswert und Zielwert vor der Maßnahme festhalten, sonst lässt sich später nichts belegen.“

Die Fragen sind aus veröffentlichten Erfahrungsberichten mehrerer Kammern rekonstruiert und in typischen Prüfer-Wortlaut gebracht; die Antwortgerüste sind unsere Empfehlung, kein offizieller Erwartungshorizont. Einen bundeseinheitlichen Fragenkatalog gibt es nicht — die Prüfungsausschüsse entwickeln Aufgaben und Fragen selbst.

Abschnitt 7

Das Fachwissen, das im Fachgespräch trägt

Keine Sammlung von Definitionen zum Auswendiglernen, sondern eine Landkarte: Diese Modelle solltest du in einem Satz erklären und auf einen Fall anwenden können.

Ein realistischer Maßstab hilft an dieser Stelle mehr als jede Vollständigkeit. Du musst nicht jedes Modell in seiner Ursprungsfassung referieren können. Du musst es benennen, in einem Satz erklären, auf den geschilderten Betrieb anwenden und sagen können, wo es an Grenzen stößt. Wer das für die folgenden Bausteine kann, ist für das Fachgespräch gut aufgestellt.

🧭

Führen

Führungsstile: autoritär, kooperativ, laissez-faire — mit den Befunden dahinter, nicht nur den drei Wörtern. Situatives Führen mit vier Reifegraden und vier Stilen von Unterweisen über Verkaufen und Beteiligen bis Delegieren. Transaktional und transformational als Begriffspaar.

Managementtechniken: Management by Objectives, by Exception, by Delegation — je zwei Vor- und Nachteile. Dazu die saubere Trennung von Führungsstil, Führungstechnik und Führungsmittel.

🔥

Konflikte lösen

Konfliktarten: Ziel-, Beurteilungs-, Verteilungs-, Beziehungs- und Rollenkonflikt, jeweils an einer Leitfrage unterscheidbar. Eskalation in neun Stufen und drei Ebenen — und wer auf welcher Ebene noch eingreifen kann.

Lösungsstile: durchsetzen, nachgeben, vermeiden, Kompromiss, Zusammenarbeit — jeder hat eine Situation, in der er richtig ist. Mediation mit ihren Phasen und Prinzipien, klar abgegrenzt von der Moderation.

👥

Teams entwickeln

Phasenmodell: Forming, Storming, Norming, Performing, Adjourning — mit der Führungsaufgabe je Phase. Teamrollen und der Gedanke, dass jede Rolle eine erlaubte Schwäche mitbringt.

Merkmale wirksamer Teams: gemeinsames Ziel, Rollenklarheit, überschaubare Größe, Vertrauen. Als Gegenbild Groupthink: Wird Harmonie wichtiger als kritische Prüfung, entstehen schlechte Entscheidungen.

⚡

Motivieren

Bedürfnispyramide mit Defizit- und Wachstumsbedürfnissen — bring die Kritik gleich mit, Prüfer hören sie gern. Zwei-Faktoren-Theorie: Hygienefaktoren verhindern nur Unzufriedenheit, Motivatoren erzeugen Zufriedenheit; beide sind keine zwei Enden derselben Skala.

Intrinsisch und extrinsisch sauber unterscheiden, dazu monetäre und nicht-monetäre Anreize. Die Pointe, auf die Prüfer warten: Zu viel äußerer Anreiz kann innere Motivation verdrängen.

📈

Personal entwickeln und beurteilen

Maßnahmen nach dem Ort: into, on, near, off und out the job — je zwei Beispiele reichen. Bildungsbedarf als Soll-Ist-Abgleich: Anforderungsprofil minus Qualifikationsprofil ergibt die Lücke. Erfolgsmessung über vier Ebenen von Reaktion bis Ergebnis.

Beurteilungsfehler: Halo, Milde und Strenge, Tendenz zur Mitte, Recency und Primacy, Kontrastfehler — je mit einer Gegenmaßnahme. Dazu Zielvereinbarung nach SMART und die Feedbackregel über Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch.

💬

Kommunizieren

Sender und Empfänger als Grundmodell, die vier Seiten einer Nachricht als Diagnosewerkzeug — vier Schnäbel beim Sender, vier Ohren beim Empfänger. Die Axiome, allen voran: Man kann nicht nicht kommunizieren.

Werkzeuge: aktives Zuhören, Ich- statt Du-Botschaften, offene und geschlossene Fragen mit klarem Zweck. Dazu das Eisbergmodell für die Unterscheidung von Sach- und Beziehungsebene.

Die Rechtsnormen, die tatsächlich abgefragt werden

Der Rechtsteil lässt sich in der Vorbereitungszeit nicht improvisieren. Diese Normen solltest du dem Namen nach kennen und in einem Satz erklären können.

NormKernaussage in einem SatzTaucht auf bei
Betriebsverfassungsgesetz
§ 87 BetrVGErzwingbare Mitbestimmung in sozialen Angelegenheiten, soweit keine gesetzliche oder tarifliche Regelung besteht — Arbeitszeit, Überstunden, Urlaubsgrundsätze, technische Einrichtungen zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle. Kommt hier keine Einigung zustande, entscheidet die Einigungsstelle.Schichtumstellung, Arbeitszeit, Zeiterfassung, mobile Arbeit
§ 99 BetrVGZustimmung des Betriebsrats bei Einstellung, Ein- und Umgruppierung sowie Versetzung — in Unternehmen mit in der Regel mehr als 20 wahlberechtigten Arbeitnehmern. Verweigert er die Zustimmung, entscheidet hier nicht die Einigungsstelle: Der Arbeitgeber kann die Ersetzung beim Arbeitsgericht beantragen.Stellenbesetzung, Versetzung, Standortverlagerung
§ 102 BetrVGDer Betriebsrat ist vor jeder Kündigung zu hören. Eine ohne Anhörung ausgesprochene Kündigung ist unwirksam.Personalabbau, verhaltensbedingte Kündigung
§§ 92 – 95 BetrVGPersonalplanung ist Unterrichtung und Beratung, keine Mitbestimmung. Der Betriebsrat kann interne Ausschreibung verlangen; bei Auswahlrichtlinien und Beurteilungsgrundsätzen bestimmt er mit.Stellenausschreibung, Beurteilungssystem
§§ 96 – 98 BetrVGBerufsbildung: fördern, beraten, bei der Durchführung betrieblicher Bildungsmaßnahmen mitbestimmen.Weiterbildung, Ausbilderschulung
Berufsbildungsgesetz und Jugendarbeitsschutz
§§ 13, 14 BBiGDie Pflichten beider Seiten — Ausbildende sorgen dafür, dass die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird, stellen Ausbildungsmittel kostenlos und halten zur Berufsschule an; Auszubildende bemühen sich, führen den Nachweis und wahren Betriebsgeheimnisse.jeder Ausbildungsaufgabe
§§ 15, 16, 20, 22 BBiGFreistellung für Berufsschule und Prüfungen, Zeugnis am Ende, Probezeit von mindestens einem bis höchstens vier Monaten, danach kann der Betrieb nur noch aus wichtigem Grund fristlos kündigen. Auszubildende können zusätzlich mit vier Wochen Frist kündigen, sofern sie die Ausbildung aufgeben oder sich für einen anderen Beruf ausbilden lassen wollen.Abbruch, Konflikt mit Azubi, Ausbildungsplanung
§§ 8, 11, 19 JArbSchGFür Jugendliche gelten engere Grenzen: acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich, längere Pausen, nach Alter gestaffelter Mindesturlaub.Schichtplanung mit Auszubildenden
Arbeitsrecht allgemein
§§ 3, 4, 5 ArbZGAcht Stunden werktäglich, Verlängerung auf zehn nur mit Ausgleich; Ruhepausen von 30 Minuten bei mehr als sechs bis zu neun Stunden und 45 Minuten bei mehr als neun Stunden; länger als sechs Stunden am Stück ist keine Arbeit ohne Pause zulässig; elf Stunden ununterbrochene Ruhezeit.Schichtmodell, Überstunden, Fluktuation durch Belastung
§ 622 BGB, § 1 KSchGKündigungsfristen mit einer nach Betriebszugehörigkeit gestaffelten Verlängerung für Arbeitgeberkündigungen; Kündigungsschutz nach sechs Monaten, mit den drei Kündigungsgründen und der Sozialauswahl.Personalabbau, Trennung von Mitarbeitenden
§§ 1, 7, 12 AGGBenachteiligungsverbot wegen bestimmter Merkmale, dazu die Pflicht des Arbeitgebers, vorzubeugen, zu schulen und einzuschreiten.Stellenausschreibung, Auswahlverfahren, Mobbing, Integration
§ 106 GewODas Weisungsrecht nach billigem Ermessen — die Norm, an der jede Anordnungs-, Versetzungs- und Homeoffice-Frage hängt.mobile Arbeit, Aufgabenzuweisung, Versetzung

Die Kernaussagen sind bewusst auf einen Satz verkürzt und ersetzen keine Rechtsberatung. Für das Fachgespräch reicht diese Tiefe in aller Regel aus: Der Ausschuss will hören, dass du die Norm kennst und weißt, was sie für die geschilderte Situation bedeutet — nicht, dass du Absätze zitierst.

🔍
Drei Fehler, die aus Skripten stammen und trotzdem Fehler bleiben: Erstens die „Führungsstile nach Max Weber“ — Weber hat drei Herrschaftstypen beschrieben (traditional, charismatisch, legal), keine Führungsstile; die verbreitete Vierer-Liste ist eine betriebswirtschaftliche Übertragung. Zweitens die „fünfte Ebene ROI“ beim Bildungscontrolling — sie stammt nicht aus dem ursprünglichen Vier-Ebenen-Modell, sondern von einem anderen Autor. Drittens die Zwei-Faktoren-Theorie als Skala: Hygienefaktoren und Motivatoren sind zwei getrennte Dimensionen, nicht zwei Enden einer Achse. Wer eines davon sauber richtigstellt, hinterlässt Eindruck.
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Abschnitt 8

Bewertung der mündlichen Prüfung: Gewichtung, Punkte und Gesamtnote

Zwei Zahlen entscheiden hier alles: die 50 Punkte zum Bestehen und die 25 Prozent, mit denen die mündliche Prüfung in deine Gesamtnote eingeht.

So entsteht deine mündliche Note

Präsentation und Fachgespräch werden getrennt bewertet und danach zu einer Punktzahl verrechnet (§ 7 Abs. 3 WFachwPrV).

1/3

Die Präsentation

Rund zehn Minuten, in denen die Darstellung sichtbar mitzählt. Ein IHK-Merkblatt nennt die Kriterien in dieser Reihenfolge: Darstellung, Methode, Fachwissen.

2/3

Das Fachgespräch

Rund zwanzig Minuten, in denen dasselbe Merkblatt die Reihenfolge umdreht: Fachwissen, Methode, Darstellung. Hier fällt die Entscheidung — und eine schwächere Präsentation lässt sich hier auffangen.

Bestanden ist die mündliche Prüfung ab 50 Punkten auf den gemeinsamen Wert, nicht auf jeden Teil einzeln. Wer in der Präsentation 42 Punkte holt und im Fachgespräch 60, kommt auf 54 Punkte — bestanden. § 8 Abs. 1 WFachwPrV verlangt diese 50 Punkte allerdings ausdrücklich „ohne Rundung“: 49,6 Punkte werden nicht aufgerundet.

Was der Prüfungsausschuss bewertet

Ehrlich vorweg: Einen bundeseinheitlich veröffentlichten Bewertungsbogen für das situationsbezogene Fachgespräch haben wir nicht gefunden. Die Verordnung regelt nur die Gewichtung; die differenzierte Bewertung obliegt dem Prüfungsausschuss, der sich am konkreten Verlauf der jeweiligen Prüfung orientiert. Einzelne Kammern veröffentlichen ihre Kriterien — schau also zuerst in die Unterlagen deiner IHK. Wer dagegen im Netz eine Prozenttabelle als „das IHK-Bewertungsschema“ präsentiert bekommt, sollte skeptisch sein.

Was es gibt, sind die Kriterienlisten in den Merkblättern mehrerer Kammern. Sie sind erstaunlich stabil. Aus ihnen lässt sich ableiten, worauf es ankommt:

🎤

In der Präsentation zählen

Aufbau und Inhalt — Vorstellung des Themas, Zielsetzung, erkennbare Struktur.
Präsentationstechnik — Medieneinsatz und Visualisierung.
Kommunikative Kompetenz — Sprachstil, Ausdrucksweise, Überzeugungsfähigkeit.
Eine Kammer listet zusätzlich einzeln auf: Einführung, Fachterminologie, Mimik und Gestik, Abschluss und Einhalten des zeitlichen Rahmens.

💬

Im Fachgespräch zählen

Fachlicher Hintergrund — sitzt das Wissen dahinter?
Begründung und Argumentation — trägt deine Herleitung?
Thematische Durchdringung — verstehst du die Zusammenhänge?
Eine Kammer betont zusätzlich das Einbringen von Berufserfahrung mit fachlichem Hintergrund und die Praxisorientierung. Eine andere hält als Kriterium ausdrücklich die Behandlung von Einwänden fest.

💡
Die aufschlussreichste Beobachtung aus den Merkblättern: Eine Kammer nennt für die Präsentation die Kriterien in der Reihenfolge Darstellung, Methode, Fachwissen — für das Fachgespräch dagegen Fachwissen, Methode, Darstellung. Aus einer Aufzählungsreihenfolge folgt zwar keine Punktegewichtung — dafür bräuchte es eine ausdrückliche Angabe. Als Hinweis auf die Schwerpunkte taugt sie trotzdem: Im Vortrag zählt die Darstellung sichtbar mit, im Gespräch rückt die fachliche Tiefe nach vorn.

Punkte- und Notenrechner

Zieh an den Reglern und sieh, was aus deinen Punkten wird. Gerechnet wird exakt nach §§ 7 und 8 WFachwPrV samt dem Bewertungsschlüssel aus Anlage 1.

Was ergeben meine Punkte?

Die beiden oberen Regler bilden die mündliche Prüfung. Die beiden unteren brauchst du nur, wenn dich auch die Gesamtnote interessiert.

Präsentation geht mit einem Drittel ein 62Punkte
Fachgespräch geht mit zwei Dritteln ein 71Punkte

Optional: für die Gesamtnote

Wirtschaftsbezogene Qualifikationen Durchschnitt der vier Bereiche · 25 % der Gesamtnote 68Punkte
Schriftliche Situationsaufgabe beide Aufgaben gemittelt · 50 % der Gesamtnote 64Punkte

Mündliche Prüfung

68,0Punkte

Note 3,3 · befriedigend

✓ bestanden

Gesamtnote

66Punkte

Note 3,5 · ausreichend

✓ alle Hürden genommen

So wird gerechnet: Die mündliche Punktzahl ist das gewichtete Mittel aus Fachgespräch (zwei Drittel) und Präsentation (ein Drittel). Für die Gesamtpunktzahl werden die Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen mit 25 %, die schriftliche Situationsaufgabe mit 50 % und die mündliche Prüfung mit 25 % gewichtet; anschließend wird kaufmännisch auf eine ganze Zahl gerundet und dieser Zahl nach Anlage 1 die Note zugeordnet. Der Rechner ist eine Orientierung — verbindlich ist der Bescheid deiner IHK.

Wie viel die mündliche Prüfung für die Gesamtnote zählt

Die Gesamtnote entsteht aus drei Bewertungen, die unterschiedlich schwer wiegen: die Teilprüfung Wirtschaftsbezogene Qualifikationen mit 25 Prozent, die schriftliche betriebliche Situationsaufgabe mit 50 Prozent und die zusammengefasste Bewertung für Fachgespräch und Präsentation mit 25 Prozent.

Rechnet man das auf die einzelnen Leistungen herunter, ergibt sich ein aufschlussreiches Bild: Das reine Fachgespräch macht zwei Drittel von 25 Prozent aus, also rund 16,7 Prozent deiner Gesamtnote. Die Präsentation kommt auf rund 8,3 Prozent. Jede einzelne der vier Klausuren aus Teil 1 wiegt dagegen 6,25 Prozent.

Das Fachgespräch ist damit die schwerste Einzelleistung nach der schriftlichen Situationsaufgabe. Wer die letzten Wochen ausschließlich in Wiederholung des schriftlichen Stoffs steckt und den Vortrag „irgendwie schon“ machen will, verteilt seine Zeit falsch.

Was passiert, wenn es nicht reicht?

Zuerst die unangenehme Klarstellung, weil hier am meisten verwechselt wird: Für das Fachgespräch gibt es keine mündliche Ergänzungsprüfung. Die ist ausschließlich für die Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen vorgesehen und greift dort, wenn in höchstens einem Prüfungsbereich eine mangelhafte Leistung vorliegt. Für die Handlungsspezifischen Qualifikationen sieht die Fortbildungsordnung nichts Vergleichbares vor.

Bleibt der gemeinsame Wert aus Präsentation und Fachgespräch unter 50 Punkten, ist damit die gesamte Teilprüfung Handlungsspezifische Qualifikationen nicht bestanden — schriftliche und mündliche Prüfung gelten zusammen als ein Prüfungsteil.

Der Weg zurück ist trotzdem klar geregelt. Nach § 10 WFachwPrV kann jede nicht bestandene Teilprüfung zweimal wiederholt werden. Der entscheidende Satz für dich lautet: Meldest du dich innerhalb von zwei Jahren nach Beendigung der nicht bestandenen Prüfung zur Wiederholung an, wirst du von allen Prüfungsleistungen befreit, die mindestens ausreichend waren. Die bestandene schriftliche Situationsaufgabe musst du also nicht noch einmal schreiben — du wiederholst nur das Fachgespräch mit Präsentation.

Einen praktischen Vorbehalt gibt es: Manche Kammern bieten pro Jahr nur eine begrenzte Zahl von Terminen an, sodass zwischen zwei Versuchen unter Umständen ein Jahr liegt. Frag im Fall der Fälle früh nach dem nächsten Termin.

📊
Zur Frage, wie viele durchfallen — ehrlich beantwortet: Für die mündliche Prüfung allein gibt es keine öffentliche Statistik. Weder der DIHK noch die einzelnen Kammern weisen Bestehensquoten getrennt nach Prüfungsteil aus. Bekannt ist nur die Gesamtquote über die ganze Fortbildung: Nach der bundesweiten IHK-Fortbildungsstatistik bestanden beim Wirtschaftsfachwirt im Berichtsjahr 2025 rund 62 Prozent der Prüfungsteilnehmer (5.018 von 8.103), im Jahr 2024 rund 65 Prozent und 2023 rund 67 Prozent. Diese Zahlen umfassen aber die gesamte Prüfung samt aller schriftlichen Leistungen. Unsere Erfahrung aus der Kursbetreuung ist, dass die mündliche Prüfung deutlich seltener zum Stolperstein wird als die schriftlichen Teile — das ist ein Erfahrungswert, keine belegte Quote.
Abschnitt 9

Checkliste für den Prüfungstag

Zwölf Punkte, die am Prüfungstag über Kleinigkeiten entscheiden — und Kleinigkeiten entscheiden in einer 30-Minuten-Prüfung mehr, als einem lieb ist. Klick sie durch, während du packst.

Vor der Prüfung, am Prüfungstag, im Raum

0 von 12 erledigt

Die Häkchen bleiben nur, solange du auf dieser Seite bist — sie werden nirgends gespeichert.

Was du nicht brauchst: vorbereitete Folien, ein mitgebrachtes Handout oder eine auswendig gelernte Musterpräsentation. Vorbereitete Präsentationsmittel sind bei vielen Kammern ausdrücklich untersagt — und selbst wo sie erlaubt wären, passen sie nicht zu einer Aufgabe, die du erst 30 Minuten vorher siehst.

☎️

Fünf Fragen, die du deiner IHK vorher stellen solltest

Genau an diesen fünf Punkten unterscheiden sich die Kammern — und genau darüber findest du im Netz nur widersprüchliche Angaben. Ein Blick ins Merkblatt oder ein kurzer Anruf beim Prüfungsteam klärt sie in fünf Minuten:

1. Wie lange soll die Präsentation dauern? Verbreitet sind zehn Minuten, einzelne Kammern nennen fünfzehn. Wer auf zehn trainiert hat und fünfzehn füllen soll, steht plötzlich still.
2. Welche Medien stehen im Prüfungsraum? Flipchart praktisch immer — Pinnwand, Whiteboard, Visualizer je nach Haus. Bei einer Kammer musst du Stifte und Moderationskarten sogar selbst mitbringen.
3. Welche Hilfsmittel darf ich in der Vorbereitungszeit nutzen? Hier ist die Spannbreite am größten: von „alle Gesetzestexte, die auch in den Situationsaufgaben zugelassen waren“ bis „außer Schreibzeug nichts“.
4. Bekomme ich eine Aufgabe zugeteilt oder wähle ich aus zweien? Beides gibt es. Wer mit der Wahl rechnet, entscheidet ruhiger.
5. Zählt die persönliche Vorstellung zur Präsentationszeit? Manche Kammern rechnen bis zu zwei Minuten Vorstellung zusätzlich, andere nicht.

Fragen & Antworten

Häufige Fragen zur mündlichen Prüfung beim Wirtschaftsfachwirt

Wie läuft die mündliche Prüfung zum Wirtschaftsfachwirt ab?+

Du erhältst am Prüfungstag eine betriebliche Aufgabenstellung und hast dafür eine Vorbereitungszeit von höchstens 30 Minuten, die üblicherweise unter Aufsicht stattfindet. Danach stellst du deine Lösung dem Prüfungsausschuss vor und beantwortest im Anschluss dessen Fragen. Die gesamte Prüfung soll nach § 3 Abs. 6 WFachwPrV nicht länger als 30 Minuten dauern.

Zwischen Vorbereitung und Vortrag liegen meist noch etwa fünf Minuten für Abholung und Aufbau. Nach dem Gespräch verlässt du kurz den Raum, der Ausschuss berät, danach erfährst du in der Regel noch vor Ort, ob du bestanden hast. Den ganzen Tag Schritt für Schritt findest du in Abschnitt 2.

Wie lange dauert die mündliche Prüfung?+

Die Verordnung sagt dazu einen einzigen Satz: Das situationsbezogene Fachgespräch mit Präsentation soll nicht länger als 30 Minuten dauern. Eine Aufteilung dieser 30 Minuten steht dort nicht.

In der Praxis rechnen die meisten Kammern mit rund 10 Minuten Präsentation und rund 20 Minuten Fachgespräch. Es gibt aber Abweichungen: Einzelne Kammern teilen 15 zu 15 auf oder nennen 10 bis 15 Minuten für den Vortrag. Rechne zusätzlich 30 Minuten Vorbereitung, etwa 5 Minuten Aufbau und einige Minuten Wartezeit ein — insgesamt bist du rund eine Stunde beschäftigt.

Bekomme ich das Thema vorher oder erst am Prüfungstag?+

Erst am Prüfungstag, zu Beginn der Vorbereitungszeit. Ein Thema vorab einzureichen oder aus Themenvorschlägen zu wählen, sieht die WFachwPrV nicht vor.

Genau hier entsteht die häufigste Verwechslung: Beim Industriefachwirt und beim Handelsfachwirt wählst du das Thema selbst und reichst es vorab ein; beim Personalfachkaufmann schlägst du zwei Themen vor, aus denen der Ausschuss eines festlegt. In allen drei Fällen ist das Thema vorher bekannt und die Präsentation zu Hause vorbereitet. Beim Wirtschaftsfachwirt nicht. Wer Ratgeber zu diesen Prüfungen liest, bereitet sich auf ein anderes Format vor. Bei einigen Kammern darfst du immerhin zwischen zwei Handlungsaufträgen wählen — frag vorher nach, ob das bei dir der Fall ist.

Welche Themen kommen dran?+

Der Schwerpunkt soll laut § 3 Abs. 6 WFachwPrV auf dem Handlungsbereich Führung und Zusammenarbeit liegen. Was dazugehört, benennt § 5 Abs. 5 abschließend: Zusammenarbeit, Kommunikation und Kooperation; Mitarbeitergespräche; Konfliktmanagement; Mitarbeiterförderung; Ausbildung; Moderation von Projektgruppen; Präsentationstechniken.

Typische Aufgaben drehen sich um Teamkonflikte, Beurteilungssysteme, Einarbeitung, Fluktuation, Personalentwicklung oder die Führung von Auszubildenden. Zulässig sind aber ausdrücklich alle neun Qualifikations- und Handlungsbereiche beider Prüfungsteile — Praxisberichte zeigen im Fachgespräch durchaus Sprünge zu Deckungsbeitrag oder Ansoff-Matrix. 23 Aufgabenstellungen zum Üben findest du in Abschnitt 5.

Wie viele Punkte brauche ich zum Bestehen?+

Mindestens 50 Punkte — und zwar in der zusammengefassten Bewertung aus Fachgespräch und Präsentation, nicht in jedem Teil einzeln. Eine schwächere Präsentation lässt sich also durch ein starkes Fachgespräch ausgleichen, weil das Gespräch doppelt so schwer wiegt.

§ 8 Abs. 1 WFachwPrV verlangt diese 50 Punkte ausdrücklich ohne Rundung: 49,6 Punkte werden nicht auf 50 aufgerundet. Nach Anlage 1 entsprechen 50 Punkte der Note 4,4 und damit noch ausreichend; 48 und 49 Punkte ergeben 4,5 und sind mangelhaft. Durchrechnen kannst du deinen Fall mit dem Punkterechner in Abschnitt 8.

Wie viel zählt die mündliche Prüfung für die Gesamtnote?+

25 Prozent. Nach § 8 Abs. 4 WFachwPrV setzt sich die Gesamtpunktzahl zusammen aus der Teilprüfung Wirtschaftsbezogene Qualifikationen mit 25 Prozent, der schriftlichen betrieblichen Situationsaufgabe mit 50 Prozent und der zusammengefassten Bewertung für Fachgespräch und Präsentation mit 25 Prozent.

Rechnerisch macht das reine Fachgespräch damit rund 16,7 Prozent deiner Gesamtnote aus, die Präsentation rund 8,3 Prozent. Zum Vergleich: Jede der vier Klausuren aus Teil 1 wiegt 6,25 Prozent. Das Fachgespräch ist also die schwerste Einzelleistung nach der schriftlichen Situationsaufgabe.

Welche Hilfsmittel und Medien darf ich benutzen?+

Das regelt nicht die Verordnung, sondern deine IHK — und hier gehen die Kammern weiter auseinander als bei jeder anderen Frage. Der Grund ist strukturell: Die bundeseinheitliche DIHK-Hilfsmittelliste führt das situationsbezogene Fachgespräch überhaupt nicht auf.

Ein Flipchart steht praktisch überall bereit, häufig zusätzlich Pinnwand, Moderationskarten, Whiteboard und Visualizer. Beamer und Laptop sind die seltene Ausnahme. Bei den Hilfsmitteln reicht die Spannbreite von „alle Gesetzestexte, die auch in den Situationsaufgaben zugelassen waren“ bis „außer Schreibzeug nichts“.

Was fast überall gilt: Vorbereitete Präsentationsmittel von zu Hause sind untersagt; Handy sowie Smartwatch müssen komplett ausgeschaltet sein — Stummschalten reicht nicht.

Ist PowerPoint erlaubt?+

In den ausgewerteten Merkblättern zum Wirtschaftsfachwirt ist es die seltene Ausnahme. Ob digitale Präsentationsmedien bei dir zulässig und vorhanden sind, klärst du deshalb vorab mit deiner IHK — und bereitest dich dann auf die Medien vor, die dort tatsächlich vorgesehen sind. Beachte dabei: Mitgebrachte, vorbereitete Präsentationsmittel sind bei vielen Kammern ausdrücklich untersagt; die Aufgabe bekommst du erst 30 Minuten vor dem Vortrag.

In den ausgewerteten Merkblättern zum Wirtschaftsfachwirt werden fast durchgehend nur analoge Medien genannt: Flipchart, Pinnwand, Whiteboard, Visualizer, teils Overhead-Projektor. Wo du in Merkblättern Beamer-Regeln mit HDMI-Anschlüssen und Ersatzfolien findest, gehören sie meist zu Prüfungen mit selbst gewähltem, vorab eingereichtem Thema.

Wie sollte ich die Präsentation aufbauen?+

Der äußere Rahmen ist bei fast allen Kammern gleich: Begrüßung, kurze persönliche Vorstellung von höchstens zwei Minuten, Vorstellung der Aufgabenstellung ohne Vorlesen, Thema und Ziel, Lösungen, Zusammenfassung und Fazit.

Innerhalb dieses Rahmens hat sich eine Gliederung in fünf Schritten bewährt: Einordnung, Analyse der Problemstellung, zwei bis drei Alternativen, eine begründete Handlungsempfehlung und ein Fazit mit dem größten Risiko. Wichtig ist, dass du dich festlegst — der Ausschuss nimmt die Rolle der Geschäftsführung ein und erwartet eine Entscheidung. Für rund zehn Minuten reichen drei bis vier Flipchart-Blätter. Drei Gliederungen im Vergleich stehen in Abschnitt 4.

Was mache ich, wenn ich eine Frage nicht beantworten kann?+

Frag zuerst nach, wenn die Frage selbst unklar ist. Eine sachliche Verständnisfrage wirkt professioneller als zu raten — sie ist allerdings etwas anderes als fachliche Hilfe bei einer Wissenslücke, die der Ausschuss durchaus in die Bewertung einbezieht.

Weißt du die Antwort wirklich nicht, sag das offen — der Ausschuss geht dann zur nächsten Frage über. Schweigen ist die schlechteste Variante, Bluffen die zweitschlechteste, weil Nachfragen es sicher aufdecken. Hast du einen Ansatz, trag ihn vor und mach transparent, dass es eine Überlegung ist. In Bewertungsbögen gibt es abgestufte Kategorien: Eine Frage nach einem Hinweis zu lösen liegt weit über gar nicht zu antworten.

Was passiert, wenn ich die mündliche Prüfung nicht bestehe?+

Eine mündliche Ergänzungsprüfung gibt es hier nicht — die ist nach § 4 Abs. 6 WFachwPrV allein für die Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen vorgesehen. Genau diese Verwechslung ist der häufigste Irrtum zu diesem Thema.

Bleibt die zusammengefasste Bewertung unter 50 Punkten, ist die gesamte Teilprüfung Handlungsspezifische Qualifikationen nicht bestanden. Nach § 10 WFachwPrV kann jede nicht bestandene Teilprüfung zweimal wiederholt werden. Meldest du dich innerhalb von zwei Jahren nach Beendigung der nicht bestandenen Prüfung an, wirst du von den mindestens ausreichenden Leistungen befreit — die bestandene schriftliche Situationsaufgabe musst du also nicht erneut schreiben. Beachte, dass manche Kammern nur wenige Termine im Jahr anbieten.

Wann findet die mündliche Prüfung nach der schriftlichen statt?+

Erst dann, wenn die schriftlichen Teilprüfungen erfolgreich abgeschlossen sind — das schreibt § 3 Abs. 6 WFachwPrV ausdrücklich vor. Der zeitliche Abstand ist nicht geregelt.

In der Praxis liegen häufig zwei bis drei Monate zwischen der schriftlichen HQ-Prüfung und dem Fachgespräch; an einzelnen Standorten dauert es länger. Der Grund ist die Korrekturzeit, die je nach Kammer acht bis zehn Wochen beträgt. Die Einladung kommt meist ein bis drei Wochen vor dem Termin per Post oder über das Onlineportal; eine gesonderte Anmeldung brauchst du nicht.

Wie viele Prüfer sitzen mir gegenüber?+

Mindestens drei. Der Prüfungsausschuss besteht nach § 40 BBiG, der über § 56 BBiG auch für Fortbildungsprüfungen gilt, aus mindestens drei Mitgliedern: Beauftragte der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer in gleicher Zahl sowie mindestens eine Lehrkraft einer berufsbildenden Schule; mindestens zwei Drittel müssen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeauftragte sein. Von dieser Zusammensetzung darf allerdings abgewichen werden, sofern sich sonst nicht genügend Mitglieder berufen lassen (§ 40 Abs. 7 BBiG) — in Fortbildungsprüfungen sitzt deshalb nicht in jedem Ausschuss tatsächlich eine Lehrkraft.

Erfahrungsberichte nennen drei bis fünf Personen. Häufig fragen nur ein oder zwei aktiv, die übrigen hören zu und machen Notizen. Dass jemand schweigt, ist kein schlechtes Zeichen. Die Prüfung ist nicht öffentlich, es können aber Vertreter der IHK oder des Berufsbildungsausschusses als Zuhörer anwesend sein.

Wann erfahre ich mein Ergebnis?+

Ob du bestanden hast, erfährst du in aller Regel noch am selben Tag: Nach der Beratung wirst du zurück in den Prüfungsraum gerufen und bekommst das Ergebnis mündlich mitgeteilt.

Ob dabei auch Punkte und Note fallen, hängt von deiner Kammer ab: Manche teilen nur mit, ob du bestanden hast, andere nennen ein vorläufiges Ergebnis. Verbindlich ist erst der schriftliche Bescheid; telefonische Auskünfte zu Ergebnissen schließen viele Kammern aus. Das Prüfungszeugnis kommt anschließend per Post, bei einer Kammer etwa drei Wochen nach Abschluss des Prüfungsverfahrens. Ein ausführliches Feedbackgespräch ist übrigens nirgends garantiert — manche Ausschüsse nehmen sich Zeit dafür, andere nicht.

Fazit

Fazit: Du übst kein Thema, du übst ein Verfahren

Die mündliche Prüfung wirkt von außen wie die unberechenbarste Leistung der ganzen Fortbildung. Du weißt nicht, welche Aufgabe kommt, du hast eine halbe Stunde und stehst dann vor drei bis fünf Menschen, die dir Fragen stellen dürfen. Genau dieser Eindruck führt allerdings in die falsche Vorbereitung — nämlich in noch mehr Stoff.

Tatsächlich ist das Format eines der planbarsten überhaupt. Die Zeiten sind festgelegt, der Rollenrahmen ist immer derselbe, die Aufgaben folgen einem erkennbaren Bauplan, sechs Bausteine wiederholen sich ständig: Führungsstil, Beurteilung, Gespräch führen, Team, Ausbildung, Betriebsrat. Selbst der häufigste dokumentierte Grund fürs Scheitern ist kein Wissensproblem, sondern eine Themaverfehlung — also ein Lesefehler in den ersten fünf Minuten.

Daraus folgt eine ziemlich klare Empfehlung für die letzten Wochen. Nimm dir aus Abschnitt 5 eine Aufgabe, stell dir einen Wecker auf 30 Minuten, bau eine Gliederung, schreib drei Flipchart-Blätter und sprich zehn Minuten laut. Danach nimm die nächste. Zehn solcher Durchgänge verändern mehr als das dritte Durchlesen des Skripts — weil sie genau die Fähigkeit trainieren, die geprüft wird.

Zwei Dinge nimmst du am besten mit in den Prüfungsraum. Erstens: Lies die Aufgabenstellung bis zum Ende und bau deine Gliederung eins zu eins aus den Teilaufträgen. Zweitens: Leg dich am Schluss fest. Der Ausschuss sitzt in der Rolle der Geschäftsführung und wartet auf eine Empfehlung, nicht auf eine Auflistung von Möglichkeiten. Alles Übrige — ein zittriger Einstieg, ein vergessener Fachbegriff, eine Frage, die du nicht beantworten kannst — ist deutlich weniger schlimm, als es sich in diesem Moment anfühlt.

Aufgeregt zu sein gehört im Übrigen dazu. Prüfer sehen den ganzen Tag nichts anderes; mehrere Erfahrungsberichte beschreiben Ausschüsse, die Fragen umformulieren und Hilfestellung geben, wenn jemand hängt. Sie wollen dich nicht durchfallen lassen. Sie wollen sehen, dass du eine betriebliche Situation einschätzen und begründet handeln kannst. Das kannst du — sonst wärst du gar nicht erst zu dieser Prüfung eingeladen worden.

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Noch eine Frage zur mündlichen Prüfung?

Ob deine IHK Gesetzestexte zulässt, wie lang dein Vortrag sein soll, ob du zwischen zwei Aufgaben wählen darfst — vieles davon steht in deinem Merkblatt. Kommst du damit nicht weiter, schreib uns gern. Wir antworten persönlich.

Jasper Quast, Gründer und Kursleiter von ZumFachwirt

Jasper Quast

Gründer und Kursleiter von ZumFachwirt · Geprüfter Wirtschaftsfachwirt (IHK)

Ich habe meinen eigenen Wirtschaftsfachwirt selbst gemacht. Gestört haben mich damals starre Termine — vor allem aber komplizierte Erklärungen ohne verständliche Beispiele. Daraus sind meine eigenen Skripte und Videos entstanden, zuerst nur für mich.

Heute haben wir über 4.000 Teilnehmern zu ihrem IHK-Abschluss verholfen. Dieser Beitrag fasst zusammen, was wir über die mündliche Prüfung wissen: aus der Prüfungsordnung, aus den Merkblättern zahlreicher Industrie- und Handelskammern und aus den Rückmeldungen unserer Teilnehmer nach ihrem Prüfungstag.

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