Unser Drei-Säulen-Modell: So läuft der Betriebswirt IHK bei ZumFachwirt ab
Entscheiden, Perspektive wechseln, reflektieren – damit du nicht nur für die Prüfung lernst, sondern für den Job
Wer den Geprüften Betriebswirt IHK macht, soll am Ende nicht nur Fachbegriffe kennen und Prüfungsaufgaben lösen können. Auf diesem Qualifikationsniveau geht es vor allem darum, komplexe betriebliche Situationen zu analysieren, Entscheidungen zu treffen, diese nachvollziehbar zu begründen und das eigene Vorgehen kritisch zu hinterfragen.
Genau dafür haben wir bei ZumFachwirt unser Drei-Säulen-Modell entwickelt. Es ergänzt die klassischen Bestandteile unseres Betriebswirt-Lehrgangs um eine wiederkehrende Praxisschleife.
Das Drei-Säulen-Modell ist die Praxisschleife im Betriebswirt-Lehrgang von ZumFachwirt:
- Szenariobasiertes Lernen und Entscheidungsmemo – du triffst selbst Managemententscheidungen und begründest sie anschließend strukturiert.
- Peer-Feedback – du setzt dich mit einer anonymisierten Leistungskontrolle eines anderen Teilnehmers auseinander und bewertest sie anhand vorgegebener Kriterien.
- Reflexives Führungsportfolio – du wertest deine Erfahrungen und das erhaltene Feedback aus und leitest daraus Erkenntnisse für zukünftige Situationen ab.
In allen drei Säulen spielt eine weitere Frage eine wichtige Rolle: Was bedeutet das Gelernte eigentlich für meinen eigenen Unternehmensalltag? Unser Ziel ist nicht nur, dass du Aufgaben innerhalb des Lehrgangs lösen kannst – du sollst das Gelernte möglichst auch auf reale betriebliche Situationen übertragen können.
Warum wir dieses Modell überhaupt entwickelt haben
Ein klassischer Onlinelehrgang funktioniert häufig ungefähr so: Du schaust dir Videos an, liest Skripte, beantwortest einige Übungsfragen und bereitest dich anschließend auf die Prüfung vor. Für den reinen Wissenserwerb kann das gut funktionieren. Beim Betriebswirt IHK reicht Wissen allein aus unserer Sicht aber nicht aus.
Leicht zu lernen: Welche Vor- und Nachteile haben verschiedene Formen der Finanzierung?
Eine Definition, eine Liste, eine Musterlösung. Abfragbar – und schnell wieder vergessen.
Deutlich schwieriger: Welche Finanzierung ist in dieser Situation die richtige – und warum?
Informationen gewichten, Risiken einschätzen, Annahmen treffen, Alternativen vergleichen und die Entscheidung am Ende vertreten.
Ein Unternehmen möchte stark wachsen. Eine Finanzierungsmöglichkeit ist günstiger, erhöht aber die Verschuldung erheblich. Eine andere ist teurer, erhält dafür mehr finanzielle Flexibilität. Gleichzeitig drängt die Konkurrenz auf den Markt.
Wie würdest du als Führungskraft entscheiden?
Jetzt reicht es nicht mehr, eine Definition auswendig zu kennen. Danach solltest du dir außerdem eine weitere Frage stellen können: Wie würde ich mit einer vergleichbaren Situation in meinem eigenen Unternehmen umgehen?
Genau das trainiert das Drei-Säulen-Modell.
Die drei Säulen im Überblick
Alle drei Säulen bauen auf dem Fachwissen aus Videos, Skripten und Übungsaufgaben auf – und tragen gemeinsam das, worauf es beim Betriebswirt ankommt:
Szenario & Entscheidungsmemo
Du übernimmst eine verantwortliche Rolle in einem Unternehmen, triffst aufeinander aufbauende Entscheidungen und begründest dein Vorgehen strukturiert.
Peer-Feedback
Du setzt dich mit einer anonymisierten Leistungskontrolle eines anderen Teilnehmers auseinander und bewertest sie anhand vorgegebener Kriterien. Gleichzeitig erhältst du Feedback zu deinem eingereichten Entscheidungsmemo.
Reflexives Führungsportfolio
Du schaust auf den gesamten Prozess zurück, hinterfragst dein eigenes Denken und leitest Erkenntnisse für die nächste Situation ab.
Das Verbindende: In jeder Säule stellst du dir zusätzlich die Frage, was das Gelernte für deinen eigenen Unternehmensalltag bedeutet. Genau dieser Transfer macht aus einer Lehrgangsaufgabe eine Lernerfahrung, die du mitnehmen kannst.
Säule 1: Szenariobasiertes Lernen und Entscheidungsmemo
Die erste Säule beginnt mit einer realistischen betrieblichen Situation. Du bekommst nicht einfach eine Aufgabe mit vier Antwortmöglichkeiten und einer eindeutig richtigen Lösung. Stattdessen schlüpfst du gedanklich in eine verantwortliche Rolle innerhalb eines Unternehmens.
Du musst beispielsweise entscheiden:
- ?Soll ein Unternehmen in einen neuen Markt eintreten?
- ?Welche Vertriebsstrategie ist sinnvoll?
- ?Soll eine Investition durchgeführt werden?
- ?Wie sollte auf ein wirtschaftliches Problem reagiert werden?
- ?Welche organisatorische Lösung passt zur gewählten Strategie?
Deine Entscheidungen können dabei Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Szenarios haben.
Nicht jede Entscheidung hat eine perfekte Lösung
Das ist wichtig: In der betrieblichen Praxis gibt es häufig nicht die eine mathematisch eindeutig richtige Entscheidung. Zwei Führungskräfte können auf Grundlage derselben Informationen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen – und beide Entscheidungen können gut begründet sein.
Es geht nicht darum, einen versteckten „richtigen Button" zu finden. Viel wichtiger ist: Warum entscheidest du dich so? Welche Konsequenzen hat deine Entscheidung? Passt dein weiteres Vorgehen überhaupt zu dieser Entscheidung?
Ein vereinfachtes Beispiel
Stell dir vor, ein Hersteller möchte mit einem neuen Produkt in den US-Markt eintreten. Du kannst zwischen verschiedenen Markteintrittsstrategien wählen. Entscheidest du dich für einen schnellen Markteintritt über Distributoren, entstehen daraus andere Chancen und Risiken als bei einem vorsichtigen eigenen Pilotprojekt.
Im nächsten Schritt musst du deshalb mit den Folgen deiner ursprünglichen Entscheidung weiterarbeiten. So entsteht eine zusammenhängende Managementsituation statt einer Sammlung voneinander unabhängiger Prüfungsfragen.
👀 Schau es dir selbst an: Szenario 2 zum Ausprobieren
Du musst uns nicht glauben, wie sich das anfühlt – probier es aus. Wir haben ein vollständiges Szenario aus dem Handlungsbereich „Normenbestimmte und finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen bewerten" frei zugänglich gemacht. Es geht um die Bewertung eines Übernahmekandidaten bei der Kranich Maschinenbau: Du triffst drei aufeinander aufbauende Entscheidungen und siehst am Ende, was daraus folgt.
- Handlungsbereich 2
- Unternehmensbewertung
- 3 Entscheidungspunkte
- Ohne Anmeldung
Das Entscheidungsmemo gehört ebenfalls zu Säule 1
Nachdem du deine Entscheidungen innerhalb des Szenarios getroffen hast, ist die erste Säule noch nicht abgeschlossen. Jetzt musst du dein Vorgehen strukturiert aufbereiten – dafür erstellst du ein Entscheidungsmemo.
Das Prinzip orientiert sich an einer typischen Situation aus der Unternehmenspraxis: Eine Führungskraft sollte nicht einfach nur eine Entscheidung treffen, sondern auch erklären können, warum sie diese Entscheidung für sinnvoll hält.
- 1Was ist die zentrale Entscheidung?
- 2Welche Informationen sind dafür besonders relevant?
- 3Welche Alternativen gibt es?
- 4Welche Chancen und Risiken bestehen?
- 5Welche Annahmen liegen meiner Entscheidung zugrunde?
- 6Welche Lösung empfehle ich?
- 7Wie sollte die Umsetzung aussehen?
Damit trainierst du etwas, das über die IHK-Prüfung hinausgeht: komplexe Informationen auf das Wesentliche zu reduzieren und eine Entscheidung nachvollziehbar zu begründen.
Ein weiterer Bestandteil ist der Transfer auf deinen eigenen beruflichen Alltag. Du beschäftigst dich deshalb auch mit der Frage: Wo begegnen mir vergleichbare Situationen in meinem eigenen Unternehmen oder Berufsleben?
Vielleicht musst du selbst Investitionen bewerten, Projekte priorisieren, Mitarbeiter führen oder zwischen verschiedenen strategischen Alternativen entscheiden. Selbst wenn das konkrete Szenario aus einer anderen Branche stammt, lässt sich die dahinterliegende Entscheidungssystematik häufig übertragen.
Du lernst also nicht nur „Was würde ich in diesem Szenario tun?", sondern auch: „Was nehme ich daraus für meine eigene Praxis mit?"
Säule 2: Peer-Feedback und Perspektivwechsel
In der zweiten Säule wechselst du die Perspektive. Du erhältst eine anonymisierte Leistungskontrolle eines anderen Kursteilnehmers und setzt dich mit dessen Vorgehensweise auseinander. Anhand vorgegebener Kriterien analysierst du beispielsweise:
- ✓Ist die Entscheidung nachvollziehbar begründet?
- ✓Wurden relevante Chancen und Risiken berücksichtigt?
- ✓Sind die vorgeschlagenen Maßnahmen schlüssig?
- ✓Gibt es Punkte, die noch konkreter ausgearbeitet werden könnten?
- ✓Welche Aspekte sind besonders überzeugend?
Das Ziel besteht nicht darin, nach Fehlern zu suchen. Vielmehr sollst du lernen, Entscheidungen aus einer anderen Perspektive zu betrachten und die Qualität einer Argumentation beurteilen zu können. Gleichzeitig erhältst du selbst Feedback zu deinem eingereichten Entscheidungsmemo – dadurch entsteht ein zusätzlicher Blick auf deine eigene Bearbeitung.
Warum Peer-Feedback so hilfreich sein kann
Bei der Auseinandersetzung mit einer anderen Leistungskontrolle fallen dir häufig Aspekte auf, die dir bei deiner eigenen Bearbeitung möglicherweise nicht aufgefallen sind. Vielleicht taucht dort ein Risiko auf, an das du selbst nicht gedacht hast. Vielleicht führt eine ganz andere Herangehensweise zu einem Ergebnis, das trotzdem nachvollziehbar begründet ist.
„Diese Argumentation überzeugt mich nicht – aber warum eigentlich nicht?"
Allein diese Frage kann einen großen Lerneffekt haben. Sobald du erklären musst, warum eine Entscheidung oder Argumentation überzeugend ist oder nicht, setzt du dich intensiver mit dem Thema auseinander, als wenn du lediglich eine Musterlösung liest.
Auch beim Peer-Feedback geht es nicht ausschließlich um die konkrete Leistungskontrolle. Du sollst dir beispielsweise überlegen:
- Was kann ich aus dieser anderen Herangehensweise lernen?
- Welche Aspekte würde ich in einer vergleichbaren Situation selbst berücksichtigen?
- Gibt es Vorgehensweisen, die sich auf meinen Berufsalltag übertragen lassen?
- Wie würde ich einer Kollegin, einem Kollegen oder einer Führungskraft in einer solchen Situation Feedback geben?
Damit trainierst du gleichzeitig eine Fähigkeit, die für Führungskräfte besonders wichtig ist: andere Entscheidungen sachlich beurteilen und konstruktives Feedback geben zu können.
Säule 3: Das reflexive Führungsportfolio
Mit der dritten Säule schließt sich der Kreis. Du hast inzwischen eine betriebliche Situation analysiert, Entscheidungen getroffen, diese in einem Entscheidungsmemo begründet, eine andere Leistungskontrolle bewertet und selbst Feedback erhalten. Jetzt geht es darum, aus diesem gesamten Prozess konkrete Erkenntnisse mitzunehmen.
Dafür erstellst du einen Eintrag für dein reflexives Führungsportfolio. Die Grundidee lässt sich mit drei einfachen Fragen beschreiben:
- Was ist passiert?
- Welche Entscheidungen habe ich getroffen?
- Welche Rückmeldungen habe ich erhalten?
- Welche anderen Lösungswege habe ich kennengelernt?
- Welche meiner Annahmen waren überzeugend?
- Wo hatte meine Argumentation Schwächen?
- Was habe ich ursprünglich nicht ausreichend berücksichtigt?
- Hat eine andere Perspektive meine Einschätzung verändert?
- Würde ich Informationen früher einholen?
- Risiken anders gewichten?
- Stakeholder stärker berücksichtigen?
- Oder hat sich mein Vorgehen sogar bestätigt?
Hier geht es ausdrücklich nicht darum, das ursprüngliche Entscheidungsmemo nachträglich „richtig" zu machen. Es geht darum, das eigene Denken kritisch zu hinterfragen. Die vielleicht wichtigste Frage lautet deshalb: Was mache ich beim nächsten Mal anders oder genauso?
In Säule 3 schlägst du ganz bewusst die Brücke zu deinem eigenen Berufsleben:
- Wo kenne ich ähnliche Situationen aus meinem Unternehmen?
- Wie habe ich bisher in solchen Situationen gehandelt?
- Was würde ich nach dieser Aufgabe künftig anders machen?
- Welche Methode oder Denkweise kann ich auf meinen Unternehmensalltag übertragen?
Dadurch soll aus einer einzelnen Lehrgangsaufgabe eine übertragbare Lernerfahrung werden. Das ist auch der Grund, warum wir von einem reflexiven Führungsportfolio sprechen: Du sammelst nicht einfach Lösungen, sondern dokumentierst, wie sich dein eigenes Denken und Entscheiden weiterentwickelt.
Warum sich das Modell im Lehrgang wiederholt
Eine einzige solche Aufgabe würde wenig verändern. Deshalb begleitet dich das Drei-Säulen-Modell durch die unterschiedlichen Handlungsbereiche des Betriebswirt-Lehrgangs. Du durchläufst dabei immer wieder eine ähnliche Schleife:
- Entscheiden →
- Begründen →
- Perspektive wechseln →
- Feedback erhalten →
- Reflektieren →
- Auf die eigene Praxis übertragen
↻ Im nächsten Handlungsbereich beginnt die Schleife von vorn – mit neuen Inhalten.
Die Inhalte verändern sich natürlich. In einem Handlungsbereich kann eine strategische Unternehmensentscheidung im Mittelpunkt stehen, in einem anderen eine finanzielle, organisatorische oder führungsbezogene Problemstellung.
Dadurch soll mit der Zeit eine Routine entstehen.
„Was soll ich hier überhaupt schreiben?"
„Welche Informationen brauche ich für diese Entscheidung? Welche Alternativen gibt es? Welche Konsequenzen hätte meine Empfehlung? Was bedeutet das für meine eigene berufliche Praxis?"
Genau diese Entwicklung ist das eigentliche Ziel des Drei-Säulen-Modells.
Beispiel: So kann ein kompletter Durchlauf aussehen
Angenommen, du beschäftigst dich gerade mit einer strategischen Unternehmensentscheidung.
-
1
Entscheidung treffen und begründen
Du übernimmst die Rolle der Geschäftsführung eines Unternehmens, das ein neues Produkt auf einem ausländischen Markt einführen möchte. Du analysierst die Situation und triffst mehrere aufeinander aufbauende Entscheidungen. Anschließend erstellst du dein Entscheidungsmemo und erklärst:
- welche Strategie du gewählt hast,
- warum du diese gewählt hast,
- welche Risiken bestehen,
- welche Maßnahmen erforderlich sind
- und wie die Umsetzung aussehen könnte.
Außerdem überlegst du, welche Erkenntnisse sich auf deinen eigenen Unternehmensalltag übertragen lassen.
-
2
Andere Perspektive kennenlernen
Anschließend erhältst du eine anonymisierte Leistungskontrolle eines anderen Kursteilnehmers. Du setzt dich mit dessen Vorgehensweise auseinander und gibst anhand eines Kriterienkatalogs strukturiertes Feedback. Gleichzeitig erhältst du Feedback zu deinem eigenen Entscheidungsmemo.
Du vergleichst unterschiedliche Herangehensweisen und überlegst erneut: Welche Erkenntnisse kann ich für vergleichbare Situationen in meiner eigenen beruflichen Praxis nutzen?
-
3
Reflektieren
Zum Abschluss schaust du auf den gesamten Prozess zurück:
- Was habe ich möglicherweise übersehen?
- Welche anderen Perspektiven fand ich interessant?
- Hat das Feedback meine Einschätzung verändert?
- Was würde ich bei einer vergleichbaren Entscheidung zukünftig anders machen?
- Wo gibt es in meinem eigenen Unternehmen ähnliche Situationen?
Damit wird aus einem theoretischen Thema eine vollständige betriebliche Lernerfahrung.
Muss ich Angst haben, bei den Leistungskontrollen durchzufallen?
Nein. Die Leistungskontrollen sind ausdrücklich nicht dafür gedacht, künstliche Hürden in den Lehrgang einzubauen. Wir erwarten nicht, dass du jede Situation genauso beurteilst wie ein Dozent oder dass es bei einer Managemententscheidung immer nur eine einzige richtige Lösung gibt.
Entscheidend ist vor allem, dass du dich ernsthaft mit der Aufgabe beschäftigst und deine Überlegungen nachvollziehbar darstellst. Bearbeitest du die Aufgaben vollständig, gibst dir halbwegs Mühe und begründest deine Entscheidungen sinnvoll, ist es in der Regel sehr schwer, eine solche Leistungskontrolle nicht zu bestehen.
- Aufgabe vollständig bearbeiten
- Sich ernsthaft mit der Situation beschäftigen
- Entscheidungen nachvollziehbar begründen
- Eine eigene Position beziehen – auch eine andere als der Dozent
- Die Aufgabe leer abgeben
- Offensichtlich am Thema vorbeischreiben
- Sich überhaupt nicht mit der Aufgabenstellung beschäftigen
Es geht also nicht darum, dich mit Fangfragen scheitern zu lassen. Das Ziel lautet: Du sollst dich aktiv mit dem Lernstoff auseinandersetzen und zeigen, dass du deine Überlegungen nachvollziehbar anwenden kannst.
Sind das zusätzliche Prüfungen?
Die Bestandteile des Drei-Säulen-Modells gehören zu den Leistungskontrollen innerhalb des Lehrgangs. Sie sind aber nicht mit einer großen IHK-Prüfung vergleichbar. Du musst dafür nicht jedes Mal tagelang lernen und anschließend unter Prüfungsbedingungen mehrere Stunden Klausur schreiben.
Vielmehr sollen die Leistungskontrollen zwei Dinge miteinander verbinden: Lernen und Anwenden. Du beschäftigst dich mit dem bereits vermittelten Wissen und nutzt es anschließend für eine realistische betriebliche Situation.
Das Drei-Säulen-Modell ersetzt nichts, es ergänzt. Im Lehrgang gibt es weiterhin klassische Leistungskontrollen und natürlich die gezielte Vorbereitung auf die spätere IHK-Prüfung. Das Modell ergänzt beides um den Praxistransfer. Am Ende kommt außerdem eine handlungsorientierte Teamaufgabe dazu.
Was das Drei-Säulen-Modell mit dem Aufstiegs-BAföG zu tun hat
Dieser Punkt ist bei einem geförderten Fernlehrgang besonders wichtig. Das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) verlangt bei Fernunterricht nicht einfach nur, dass jemand einen Lehrgang gebucht hat – die regelmäßige Teilnahme muss nachgewiesen werden.
Die 70-Prozent-Regel: Bei einem Fernunterrichtslehrgang gilt die regelmäßige Teilnahme grundsätzlich als nachgewiesen, wenn mindestens 70 Prozent der vorgesehenen Leistungskontrollen bearbeitet wurden. Der Bildungsträger muss diese Teilnahme gegenüber der zuständigen Stelle bestätigen können.
Bei einem klassischen Präsenzlehrgang lässt sich Teilnahme relativ einfach feststellen: War jemand im Unterricht oder nicht? Bei einem flexiblen Fernlehrgang funktioniert dieses Prinzip naturgemäß anders. Du kannst bei uns morgens, abends oder am Wochenende lernen. Du musst nicht mehrmals pro Woche zu einem festen Zeitpunkt in einem virtuellen Klassenraum erscheinen, nur damit deine Anwesenheit dokumentiert werden kann.
Stattdessen lässt sich deine aktive Teilnahme unter anderem durch die vorgesehenen Leistungskontrollen nachvollziehen. Genau hier fügt sich das Drei-Säulen-Modell in das Gesamtkonzept ein.
Das Modell gibt es aber nicht nur wegen des Aufstiegs-BAföG
Das ist uns besonders wichtig. Natürlich könnten Leistungskontrollen auch wesentlich einfacher aussehen. Man könnte regelmäßig einen Multiple-Choice-Test durchführen und anschließend dokumentieren, dass dieser bearbeitet wurde. Aus unserer Sicht wäre das eine verschenkte Chance.
Investierst du ohnehin regelmäßig Zeit in eine Leistungskontrolle, möchten wir diese Zeit so nutzen, dass du daraus möglichst viel für deine Fortbildung und deinen Berufsalltag mitnimmst.
Deshalb lautet eine Aufgabe bei uns nicht ausschließlich: „Welche der folgenden Definitionen ist korrekt?" Stattdessen sollst du Fachwissen anwenden, Entscheidungen treffen, deine Entscheidung begründen, andere Perspektiven beurteilen und daraus Erkenntnisse für deine eigene Praxis ableiten.
Muss ich wirklich alle Aufgaben bearbeiten?
Für das Aufstiegs-BAföG ist insbesondere die 70-Prozent-Grenze relevant. Das bedeutet nicht automatisch, dass aus förderrechtlicher Sicht jede einzelne Leistungskontrolle absolviert werden muss. Trotzdem solltest du die Leistungskontrollen nicht als beliebige Zusatzaufgaben betrachten.
Unser Rat ist deshalb sehr einfach: Bearbeite die vorgesehenen Leistungskontrollen möglichst vollständig. Zum einen bist du damit bei der Dokumentation deiner regelmäßigen Teilnahme auf der sicheren Seite. Zum anderen funktioniert das Drei-Säulen-Modell am besten, wenn du die einzelnen Schritte tatsächlich durchläufst. Der größte Lerneffekt entsteht gerade aus der Kombination: eigene Entscheidung → Feedback → Reflexion → Praxistransfer.
Wie viel Aufstiegs-BAföG gibt es für den Betriebswirt IHK?
Der Geprüfte Betriebswirt IHK gehört grundsätzlich zu den Fortbildungen, die über das Aufstiegs-BAföG gefördert werden können.
- 50 % Zuschuss – wird nach derzeitiger Rechtslage direkt gewährt und muss nicht zurückgezahlt werden.
- Darlehensteil, der erlassen werden kann – nach erfolgreichem Abschluss kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen ein Teil des KfW-Darlehens erlassen werden.
- Verbleibender Darlehensanteil – für den Restbetrag kann ein KfW-Darlehen in Anspruch genommen werden.
Förderbedingungen können sich gesetzlich ändern. Für die jeweils aktuellen Voraussetzungen solltest du immer unsere aktuellen Informationen zum Aufstiegs-BAföG oder die offiziellen Stellen heranziehen. Wie du die Formblätter ausfüllst, erklären wir Schritt für Schritt in unserem Ratgeber zu den Aufstiegs-BAföG-Formblättern für den Betriebswirt IHK.
Wie bleibt der Lehrgang trotzdem flexibel?
Flexibilität war für uns bei der Entwicklung besonders wichtig. Viele unserer Teilnehmer absolvieren den Betriebswirt neben einem Vollzeitjob, Schichtarbeit, Familie, Kindern oder anderen Verpflichtungen.
Ein Fernlehrgang verliert einen großen Teil seines Vorteils, wenn die Teilnehmer anschließend mehrmals pro Woche zu festen Uhrzeiten vor dem Computer sitzen müssen.
Deshalb ist das Drei-Säulen-Modell grundsätzlich asynchron aufgebaut. Du bearbeitest die Inhalte und Aufgaben innerhalb der vorgesehenen Zeiträume selbstständig. Peer-Feedback bedeutet also nicht, dass du dich zu einem festen Termin mit einem anderen Teilnehmer in einem Videocall treffen musst.
Die Leistungskontrollen schaffen dadurch eine gewisse Verbindlichkeit, ohne die zeitliche Flexibilität eines Fernlehrgangs unnötig einzuschränken.
Was du durch das Drei-Säulen-Modell lernst
Am Ende geht es nicht darum, besonders viele Aufgaben abzuhaken. Wir möchten Fähigkeiten trainieren, die für einen Betriebswirt und für Führungskräfte relevant sind:
- Komplexe Situationen strukturieren
- Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden
- Entscheidungen unter Unsicherheit treffen
- Entscheidungen nachvollziehbar begründen
- Chancen und Risiken abwägen
- Andere Perspektiven verstehen
- Konstruktives Feedback geben
- Feedback zum eigenen Vorgehen einordnen
- Das eigene Handeln kritisch reflektieren
- Erkenntnisse auf den Unternehmensalltag übertragen
Fachwissen bleibt die Grundlage. Der nächste Schritt lautet aber:
Was machst du mit diesem Wissen, wenn dir niemand mehr sagt, welche Formel oder welches Modell du gerade anwenden sollst?
Genau dort beginnt für uns das Lernen auf Betriebswirt-Niveau.
Fazit: mehr als Videos anschauen und Wissen auswendig lernen
Unser Betriebswirt-IHK-Lehrgang soll dir einerseits möglichst viel zeitliche Freiheit geben. Andererseits möchten wir nicht, dass Fernlernen bedeutet, über viele Monate ausschließlich Videos anzuschauen und am Ende auf eine Prüfung zu hoffen.
Das Drei-Säulen-Modell verbindet deshalb mehrere Dinge: flexibles Lernen, regelmäßige aktive Anwendung, unterschiedliche Perspektiven und echten Praxistransfer.
- 1Säule 1: Du arbeitest mit realistischen Unternehmenssituationen, triffst eigene Entscheidungen und begründest diese in deinem Entscheidungsmemo.
- 2Säule 2: Du setzt dich mit einer anonymisierten Leistungskontrolle eines anderen Kursteilnehmers auseinander und erhältst selbst Feedback.
- 3Säule 3: Du reflektierst den gesamten Prozess und leitest konkrete Erkenntnisse für zukünftige Situationen und deinen Berufsalltag ab.
Gleichzeitig entstehen dadurch die dokumentierbaren Leistungskontrollen, die bei einem über Aufstiegs-BAföG geförderten Fernlehrgang eine wichtige Rolle für den Nachweis der regelmäßigen Teilnahme spielen.
Keine Sorge: Die Aufgaben sollen dich nicht mit möglichst hohen Hürden aussortieren. Beschäftigst du dich ernsthaft mit ihnen und stellst deine Überlegungen nachvollziehbar dar, solltest du mit den Leistungskontrollen normalerweise keine Schwierigkeiten haben.
So möchten wir erreichen, dass du dich nicht nur auf die IHK-Prüfung vorbereitest, sondern Schritt für Schritt lernst, wie ein Betriebswirt zu analysieren, zu entscheiden, Feedback einzuordnen und das Gelernte in die eigene Unternehmenspraxis zu übertragen.
Häufige Fragen
Es ist die Praxisschleife im Betriebswirt-Lehrgang. Säule 1: Du bearbeitest ein realistisches Unternehmensszenario, triffst eigene Managemententscheidungen und begründest sie in einem Entscheidungsmemo. Säule 2: Du bewertest die anonymisierte Leistungskontrolle eines anderen Teilnehmers anhand vorgegebener Kriterien und erhältst selbst Feedback. Säule 3: Du reflektierst den gesamten Prozess in einem reflexiven Führungsportfolio.
In allen drei Säulen geht es zusätzlich um den Transfer auf deinen eigenen Unternehmensalltag.
Nein. Die Bestandteile des Drei-Säulen-Modells gehören zu den Leistungskontrollen innerhalb des Lehrgangs und sind nicht mit einer IHK-Prüfung vergleichbar. Du musst dafür nicht tagelang lernen und keine mehrstündige Klausur unter Prüfungsbedingungen schreiben.
Die Leistungskontrollen verbinden Lernen und Anwenden: Du nutzt bereits vermitteltes Wissen für eine realistische betriebliche Situation.
Die Leistungskontrollen sind nicht dafür gedacht, künstliche Hürden einzubauen. Wir erwarten nicht, dass du jede Situation genauso beurteilst wie ein Dozent – bei Managemententscheidungen gibt es selten nur eine richtige Lösung.
Entscheidend ist, dass du dich ernsthaft mit der Aufgabe beschäftigst und deine Überlegungen nachvollziehbar darstellst. Wer die Aufgaben vollständig bearbeitet und seine Entscheidungen sinnvoll begründet, besteht eine solche Leistungskontrolle in aller Regel.
Das AFBG verlangt bei Fernunterricht den Nachweis der regelmäßigen Teilnahme. Bei einem Fernunterrichtslehrgang gilt diese grundsätzlich als nachgewiesen, wenn mindestens 70 Prozent der vorgesehenen Leistungskontrollen bearbeitet wurden – und der Bildungsträger muss das gegenüber der zuständigen Stelle bestätigen können.
Da ein flexibler Fernlehrgang keine Anwesenheitsliste kennt, wird die aktive Teilnahme unter anderem über die Leistungskontrollen nachvollziehbar. Genau dort fügt sich das Drei-Säulen-Modell ein.
Nein. Das Drei-Säulen-Modell ist grundsätzlich asynchron aufgebaut. Du bearbeitest Inhalte und Aufgaben innerhalb der vorgesehenen Zeiträume selbstständig – morgens, abends oder am Wochenende.
Peer-Feedback bedeutet nicht, dass du dich zu einem festen Termin mit einem anderen Teilnehmer in einem Videocall triffst.
Für das Aufstiegs-BAföG ist vor allem die 70-Prozent-Grenze relevant; förderrechtlich muss also nicht zwingend jede einzelne Leistungskontrolle absolviert werden.
Unser Rat lautet trotzdem: Bearbeite sie möglichst vollständig. Damit bist du bei der Dokumentation der regelmäßigen Teilnahme auf der sicheren Seite – und das Modell wirkt am besten, wenn du die Schritte tatsächlich durchläufst.
Nach der derzeit geltenden Rechtslage werden bei den förderfähigen Lehrgangs- und Prüfungsgebühren zunächst 50 Prozent als Zuschuss gewährt. Für den verbleibenden Betrag kann ein KfW-Darlehen in Anspruch genommen werden. Nach erfolgreichem Abschluss kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen ein Teil dieses Darlehens erlassen werden – daraus kann sich eine effektive Förderung von bis zu 75 Prozent ergeben.
Förderbedingungen können sich gesetzlich ändern. Aktuelle Infos findest du auf unserer Seite zu den Fördermöglichkeiten.
Ja. Szenario 2 – Unternehmensbewertung ist als Beispiel für Interessenten frei zugänglich. Es stammt aus dem Handlungsbereich „Normenbestimmte und finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen bewerten", behandelt die Bewertung eines Übernahmekandidaten bei der Kranich Maschinenbau und führt über drei aufeinander aufbauende Entscheidungspunkte.
Erst ausprobieren, dann entscheiden
Im Betriebswirt-Leitfaden findest du alles zum Lehrgang: Ablauf, Inhalte, Zulassung, Kosten und Förderung – in Ruhe zum Nachlesen.
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